Der Willy Brandt Platz in der Bankenstadt Frankfurt am Main (Archivbild).
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BerlinDer Einbruch der wirtschaftlichen Aktivitäten auf der ganzen Welt lässt die Sorge vor einer neuen Eskalation der Schuldenkrise wachsen. Viele Staaten und Unternehmen haben sich in den vergangenen Jahren massiv verschuldet, weil die Zinsen der Zentralbanken im Zeitalter der Null- und Negativzinsen als Einladung zum weiteren Schuldenmachen genommen wurden.

Mit dem weitgehenden Erlahmen der wirtschaftlichen Aktivitäten sehen sich Staaten und Unternehmen jedoch vor einem doppelten Problem: Einnahmen und Profite der Unternehmen brechen weg, damit sinken die Steuereinnahmen. Doch von der öffentlichen Hand wird erwartet, dass sie die Ausfälle kompensiert. Die Kosten werden allgemein als „astronomisch“ eingeschätzt, so das Münchner ifo-Institut.

Betroffen sind in Europa die ohnehin notorisch kriselnden Südstaaten wie Italien, Spanien, Griechenland und Portugal. Nicht genug damit, dass ausgerechnet Italien und Spanien besonders schwer von der Coronakrise getroffen wurden: Der Schaden für diese Länder dürfte auf lange Sicht gewaltig sein, weil der Tourismus in all diesen Ländern eine der wichtigsten Branchen ist.

Carlos Costa, portugiesisches Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) und Zentralbankchef seines Landes, hat die europäischen Regierungen daher aufgefordert, tätig zu werden. Costa sagte, die Emission einer sogenannten „Corona-Anleihe“ würde die Finanzmärkte davon abhalten, gegen das „schwächste Glied“ der Euro-Zone zu spekulieren.

Vergemeinschaftung der Schulden

Die Südstaaten haben bereits in den vergangenen Wochen einen deutlichen Anstieg der Renditen ihrer Staatsanleihen gesehen. Erst die Ankündigung der EZB, zusätzliche 750 Milliarden Euro zum Ankauf von Staats- und Unternehmensanleihen auf den Markt zu werfen, hat den Anstieg gebremst. Doch nach Costas Einschätzung wird diese Maßnahme nicht reichen. Er hält gemeinsam emittierte Anleihen als „die geeignete Lösung“. Er sagte, dass der Eurozone aktuell die Strukturen zur Emission der Anleihen fehlten, da die Maßnahme „mutig und kreativ“ sein müsse. Denn aktuell würden alle neuen Schulden die bereits bestehenden Schulden der Staaten vergrößern.

Deshalb müssten neue Wege gefunden werden, die, wie schon in der Euro-Krise, am Ende zu einer Vergemeinschaftung der Schulden führen sollten. Costa schlägt vor, dass der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) „Coronabonds“ emittiert, wobei der Erlös an alle bedürftigen Mitgliedstaaten weitergeleitet wird“, sagte er.

Doch nicht nur in Europa drohen Pleiten und Zahlungsausfälle. Im asiatisch-pazifischen Raum ist die Lage ebenfalls kritisch, nachdem Jahre mit niedrigen Zinsen viele dazu veranlasst hatten, Billionen von Dollar auf Pump aufzunehmen. In den Jahren nach der globalen Finanzkrise bis 2019 verdoppelte sich das Volumen der ausstehenden Unternehmensanleihen von Unternehmen in der Region laut Moody's, der Ratingagentur, auf 32 Milliarden Dollar.

Nun fürchten die Gläubiger – viele davon US-amerikanische und europäische Banken –, dass die Coronakrise eine Welle von Insolvenzen in Branchen von Fluggesellschaften bis hin zum Einzelhandel auslösen könnte. Es wird damit gerechnet, dass zahlreiche Unternehmen ihre Kredite nicht mehr bedienen werden. Eines der großen Probleme ist der chinesische Immobilienmarkt sowie der Bausektor der Landes, die beide mit gigantischen Schulden aufgeblasen wurden. Pleiten werden auch in Thailand erwartet, das unter dem Einbruch des Tourismus leidet. Vietnam hat erst 2012 seine Bankenkrise mit einiger Not überstanden. Die Institute sind noch zu schwach, um einen massiven Schock aufzufangen. Selbst in Australien bemühen sich große und bisher erfolgreiche Unternehmen um neuen Finanzierungen und Kapitalerhöhungen, um durch die Krise zu kommen.