Als zu Jahresbeginn beim Berliner Schnittblumen-Lieferanten Bloomy Days in der Gormannstraße schwarze Limousinen vorfuhren und Kanzlerin Merkel das Mitte-Start-up besuchte, schien noch alles bestens. Das Geschäftsmodell, frische Blumen per Abo zu verschicken, funktionierte offenbar.

Und als die Kanzlerin wissen wollte, ob man denn auch schon was verdiene, antwortete Firmengründerin Franziska von Hardenberg, dass das Unternehmen kurz davor stehe. Dieses Jahr sollte das erste profitable werden. Doch dieser Traum ist geplatzt. Seit Donnerstag führt ein Insolvenzverwalter die Geschäfte.

In ihrem Blog nennt Franziska von Hardenberg die Gründe. Eine Finanzierungsrunde sei kurzfristig gescheitert. „Wir konnten trotz allergrößter Bemühungen keine alternative Finanzierung sichern“, schreibt sie und dankt ihrem Team, das aus dem Nichts eine starke Marke aufgebaut habe. Zehntausende Kunden hätten sie gewonnen. „Nichtsdestotrotz haben wir es nicht geschafft, schnell genug profitabel zu werden.“

Über Crowdfunding finanziert

Die 32-Jährige hatte das Unternehmen Bloomy Days im Frühsommer 2012 gegründet. Als sie sich damals mit ihrem Businessplan bei Banken vorstellte, um an Startkapital zu kommen, ließ man sie gnadenlos abblitzen. „Braucht kein Mensch“, lautete die unausgesprochene Botschaft fantasieloser Kreditberater. Doch die junge Frau gab nicht auf. Über die Crowdfunding-Plattform Seedmatch warb sie im Internet um Kapital, und es vergingen nicht mehr als zwanzig Minuten, da hatte sie 50.000 Euro zusammen, eine gute Stunde später waren es 100.000 Euro.

Nach der Firmengründung ging es tatsächlich zügig aufwärts. Bereits im ersten Geschäftsjahr wurden pro Woche 50 000 Blumen verschickt. Den Umsatz des Jahres eins schaffte Bloomy Days im Folgejahr schon nach sechs Monaten. Wie es dann weiterging, ist unklar. Angaben zu Umsatz, Kundenzahlen und Absatz macht von Hardenberg schon lange nicht mehr. Die Investoren wünschten es so, lautete stets die Antwort. Einen „mittleren einstelligen Millionenbetrag“ hatten die Geldgeber bis 2016 in Bloomy Days investiert.

Heute hat das Unternehmen knapp 30 feste Mitarbeiter. Hinzu kommen 50 Teilzeitbeschäftigte im Versand in Kreuzberg. Um Schnittblumen geht es noch immer. „Mindestens drei Tage frischer als Blumen aus dem Laden um die Ecke“, wird versprochen. Diese liefert Bloomy Day per Abo wöchentlich oder 14-tägig nach Hause. Zuletzt hatte sich das Unternehmen auch als Marketing-Dienstleister empfohlen, um Firmen mit Blumen bei der Neukundengewinnung oder dem Beschwerden-Management zu helfen. Das war ein neuer Geschäftszweig, den von Hardenberg erst vor gut einem Jahr entwickelt hatte.

Lösung gesucht

Dass dem Unternehmen nun der Geldhahn zugedreht wurde, ist für die junge Frau keine neue Erfahrung. Nach dem Studium hatte sie den Berliner Online-Modeshop Mybrands mit aufgebaut. Dort lernte sie auch die kalte Seite der vermeintlich familiären Berliner Gründerszene kennen: Mybrands wurde vom Firmenfabrikanten Rocket Internet finanziert, der gleichzeitig Investor von Zalando war. Als dann die Umsätze von Zalando schneller wuchsen als die von Mybrands, stoppte Rocket 2010 die Finanzierung. „Wir waren erfolgreich, aber die anderen waren erfolgreicher“, sagte Franziska von Hardenberg einmal ohne Groll. „Es war eine unternehmerische Entscheidung.“

Für Bloomy Days hat von Hardenberg dennoch einen Neuanfang im Blick. Nun beginne die Zeit der Restrukturierung, sagt sie. „Wir kämpfen dafür, eine Lösung zu finden, die die Arbeitsplätze sichert.“ Mehr könne sie dazu noch nicht sagen.