Das Logo von Galeria Kaufhof.
Foto: Oliver Berg/dpa

BerlinNun steht es also fest. Galeria Karstadt Kaufhof wird mehr als jede dritte Filiale in Deutschland schließen. 62 Häuser insgesamt. Das ist bitter, aber es war abzusehen. Denn seit Jahren schlingert das traditionsreiche und einst stolze Handelshaus weitgehend kopflos und ideenfrei durch etliche Krisen, wechselte die Eigentümer, häufte Verluste an und reagierte auf wirtschaftliche Schieflagen wiederum formelhaft und einfallsleer mit Filialschließungen und Jobabbau. Das Warenhaus-Geschäft sei eben ein schwieriges, hieß es dazu gern zur Erklärung.

Tatsächlich wird das Ende des klassischen Warenhauses beschworen, seit die erste Shoppingmall eröffnete oder Amazon seine Dienste anbietet. Unsinn! Der Onlinehandel muss für das Geschäftsmodell Warenhaus ebenso wenig ein Todesurteil sein wie etwa Airbnb einem guten Hotel zwangsläufig seine Daseinsberechtigung entzieht. Allerdings braucht ein Warenhaus Visionen für einen Ort, an dem man sich gern aufhält. Visionen, die sich bei Karstadt bislang darin erschöpften, in großen Häusern Abhol- und Lieferstationen für Amazon und Zalando einzurichten.

Dabei zeigen die Nachbarn, was gehen kann. Während Galeria Karstadt Kaufhof schon mit roten Zahlen in den Shutdown ging, wies das britische Harrods zuletzt einen Gewinn von 200 Millionen Pfund aus. Die französische Printemps-Gruppe will bis 2030 zehn neue Filiale eröffnen und ihren Umsatz verdoppeln. Dort gelingt es inzwischen sogar, mehr junge Leute in die Häuser zu ziehen. Es geht um Service, Atmosphäre, Aufenthaltsqualität. Das Warenhaus ist nicht tot. Es muss aber gut gemacht werden und vor allem muss man es wollen. Dass man bei Karstadt meinte, selbst in den verbleibenden Filialen noch jede zehnte Stelle streichen zu können, spricht leider nicht dafür.