Spielend leicht lässt sich das Bild von der letzten Party im Internet hochladen und mit Freunden teilen. Dass das Foto aber oft ohne das Wissen der Nutzer an Dritte weitergeleitet werden kann, wissen die meisten Nutzer nicht. Eine neue Umfrage des Dialogmarketing-Verbands zeigt: Weniger als die Hälfte von insgesamt 840 Befragten lesen die Datenschutzbestimmungen von Unternehmen wie Google, Facebook und Co. Immer wieder fanden die Konzerne in der Vergangenheit Schlupflöcher, um an die privaten Daten ihrer Nutzer zu kommen und diese zu speichern. Datenschützer in Deutschland und Europa führten unzählige Prozesse gegen die Unternehmen. In vielen Fällen waren sie erfolgreich. Doch weitreichende Konsequenzen mussten die Internet-Riesen bisher nicht fürchten.

Google Street View und Google+

Als der Internetkonzern Google ab 2008 Street-View-Wagen mit Kameras durch Deutschlands Straßen schickte, schrien Datenschützer auf. Die Fahrzeuge haben nicht nur Bilder von Straßen, Autos und Passanten aufgenommen und abgespeichert. Auch WLAN-Netzwerke privater Haushalte wurden gesammelt, darunter auch E-Mails, Chat-Inhalte und unverschlüsselte Passwörter. In Frankreich fanden Ermittler in einem Street-View-Wagen eine Festplatte mit den gespeicherten WLAN-Daten. Aufgrund der Funde klagten in den USA 38 Staaten gegen den Konzern. Dort hat Google sich kürzlich auf einen Vergleich geeinigt. 5,4 Millionen Euro Strafe zahlt der Konzern an die Staaten und verpflichtet sich, zukünftig die Datensammlung zu unterlassen.

Die deutschen Staatsanwaltschaften stellten ihre Verfahren ein, nachdem sie keine vorsätzliche Straftat erkennen konnten. Dennoch hat die Landesdatenschutzbehörde Hamburg ein Bußgeldverfahren in die Wege geleitet. In ihren Augen ist nicht jeder Nutzer in der Lage, sich vor der Datensammlung zu schützen. „Die technischen Fähigkeiten der Betroffenen dürfen nicht darüber entscheiden, ob sie geschützt werden oder nicht“, sagt der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar. In Deutschland droht dem Konzern allerdings maximal ein Bußgeld von 300.000 Euro.

Im Moment kritisieren die Datenschützer zudem die unter Google+ zusammengefassten Datenschutzbestimmungen der Google-Tochterunternehmen wie dem Online-Videoportal Youtube und dem Fotodienst Picasa. Dabei bemängeln sie die unklaren Formulierungen in den Klauseln. „Unter Umständen werden die personenbezogenen Daten aus den verschiedenen Google-Diensten miteinander verknüpft“, heißt es zum Beispiel in den Klauseln. Auch die europäischen Datenschutzbehörden hatten einen Rechtsverstoß angemahnt. Der Konzern weigerte sich allerdings, die Einführung der neuen Bestimmungen zu verschieben, weil 350 Millionen Benutzer bereits darüber informiert worden seien. Verbraucherschützer raten Bürgern deshalb, die Dienste von verschiedenen Anbietern zu nutzen.

Facebook Gesichtserkennung und Spiele-App

2010 erlebten Nutzer des sozialen Netzwerks Facebook eine Überraschung. Privat hochgeladene Bilder wurden plötzlich automatisch gescannt. Mit einer Gesichtserkennung wollte der Konzern seinen Nutzern das Identifizieren von Freunden auf Bildern erleichtern. Auch hier erhoben die Datenschützer Einspruch. Die Begründung: Die biometrischen Daten und Profile der Nutzer würden auch gespeichert. 2012 stellte der Konzern mit seiner europäischen Niederlassung in Irland daraufhin die automatische Gesichtserkennung innerhalb der EU ein. Die bisher gespeicherten biometrischen Daten wurden gelöscht. Der Konzern verpflichtete sich, die Benutzer zukünftig vorab ausdrücklich um ihr Einverständnis zu bitten.
Derzeit klagen Verbraucherschützer in einem anderen Fall gegen Facebook. Sie haben insbesondere die Spiele-Apps im Blick. Mit dem Befehl "Spiel spielen" gibt der Internetnutzer gleichzeitig seine Einwilligung zur umfassenden Datennutzung und –weitergabe, ohne vorab darüber informiert zu werden.

Instagram - der Sieg der Nutzer

Mit einem Klick steht ein gesamtes Fotostudio zur Verfügung. Bilder lassen sich in unterschiedliche Farbrichtungen und Stile verändern und dann in sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook hochladen. Der kostenlose Online-Fotodienst Instagram zog damit weltweit rund 100 Millionen Nutzer an. Im September 2012 übernahm Facebook den Dienstleister. Mit den privaten Bildern seiner Nutzer wollte der Konzern Ende des Jahres Profit schlagen.

Mit dem Bestätigen neuer Nutzungsbedingungen hätten die Nutzer die Rechte an ihren privaten Bildern an Instagram abgetreten. Der Online-Dienst hätte die Bilder so für Werbezwecke nutzen können, ohne dafür einen Cent zu bezahlen. Nach heftigen Protesten strich Instagram die Passagen aus den Richtlinien wieder. „Wenn Nutzer aufmerksam werden, dann haben sie eine hohe Macht“, sagt Michaela Zinke vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Schließlich seien die Nutzerdaten gleichzeitig das Kapital der Online-Riesen.

Amazon

Auch der Buchversandhandel Amazon hat sich an dem Geschäft mit den Benutzerdaten beteiligt. Auf der US-Seite des Versandhandels können die Kunden seit kurzem die Option „Connect with Facebook“ nutzen. Mit einem Klick liefert der Amazon-Kunde auch alle Profildaten seiner Facebook-Freunde an Amazon. Viele der rund 25 Millionen Facebook Nutzer in Deutschland geben in dem Netzwerk ihre Vorlieben für Bücher, Filme und Hobbies an. Ohne selbst jemals Kunde beim Online-Versandhandel Amazon gewesen zu sein, sammelt dieser nun zusätzliche Daten von Facebook-Nutzern. Schützen können sich die Facebook Nutzer vor der Schnüffelei derzeit nur, indem sie ihre eigenen Privatsphäre-Einstellungen ändern.
Daten von Nutzern werden voraussichtlich auch in Zukunft für die Werbebranche immer begehrter. Auch wenn die personell unterlegenen Datenschützer den Internet-Riesen den Kampf ansagen: Die bisherigen Strafen treffen diese nur wenig. Nutzer sollten sich daher in den jeweiligen Richtlinien genau informieren, was mit dem hochgeladenen Foto von der letzten Party passieren kann.