Kündigungen, Strafzettel oder Kontoauszüge sollen künftig sicher und in Sekundenschnelle übers Internet versandt werden. Möglich machen soll das die De-Mail, die die Deutsche Telekom jetzt in Berlin vorstellte. Bequem wie die E-Mail, aber rechtsverbindlich und sicher wie der unterschriebene Papierbrief soll die De-Mail sein. Gut ein Jahr, nachdem die Bundesregierung die gesetzliche Grundlage geschaffen hat, und pünktlich zur Funkausstellung sollen vom 31. August an auch Privatkunden die De-Mail nutzen können.

Gemeinsam mit der 1&1 Internet AG (Gmx und web.de) entwickelte die Telekom eine Internetplattform, von der die sicheren Emails versandt werden können. Dass diese beiden Telekommunikationsunternehmen nun zusammenarbeiten würden, sei nicht weiter verwunderlich, sagt Telekomsprecher Ralf Sauerzapf. „Wir decken zusammen zwei Drittel des Email-Marktes ab.“

Post erfolglos

Schon die Deutsche Post versuchte vor mehr als zwei Jahren den sogenannten E-Postbrief im Markt zu etablieren. Doch das Angebot lief nicht gut an, Wettbewerber schätzen, dass nur rund 200.000 pro Monat verschickt werden. Großes Manko: Der E-Postbrief ist nicht rechtsverbindlich, wie das Landgericht Bonn nach einer Klage des Bundesverbands der Verbraucherzentralen entschieden hat. So könnte er nicht für die Kündigung eines Wohnungsmietvertrags eingesetzt werden, weil dafür die Schriftform vorgeschrieben ist. Behörden nutzen den Dienst deshalb nur für Post ohne brisanten Inhalt.

Die Telekom und 1&1 hingegen haben den Vorteil, dass die De-Mail gesetzlich geregelt ist, die Anbieter müssen bestimmte Sicherheitskriterien erfüllen. Der Verbraucherzentrale zufolge ist die De-Mail tatsächlich rechtsverbindlich, sie kann etwa ein Einschreiben ersetzen.

Nutzerkonto registrieren

Wer De-Mails empfangen will, muss sich ein Nutzerkonto anlegen. Bevor es für Behörden- und Geschäftspost freigeschaltet wird, lässt man sich in einem Telekom-Shop mit dem Personalausweis registrieren lassen. Er kann dann selbst wählen, ob die örtliche Behörde Post wie Strafzettel übers Internet versenden soll oder ob er Werbung per De-Mail bekommen will. Drei De-Mails pro Monat sind für Privatkunden kostenlos, für jede weitere werden 39 Cent fällig. Firmenkunden erhalten hohe Rabatte. Der E-Postbrief ist für Privatkunden deutlich teurer: Er kostet 55 Cent – so viel wie ein normaler Brief.

Zu den ersten Unternehmen, die den De-Mail-Standard akzeptieren, gehören die Targobank und die Allianz. Deren IT-Vorstand Alexander Vollert erhofft sich Zeit- und Kostenersparnisse, räumte aber ein, dass Nachrichten nach dem E-Postbrief-Verfahren noch „keine substanziellen Größenordnungen“ erreicht hätten. Für die Telekom weckt der Markt dennoch Begehrlichkeiten: Die Deutschen geben jährlich zehn Milliarden Euro für Porto aus, davon sind rund 80 Prozent Geschäftspost. Die Telekom erwarte einen Umsatz in dreistelliger Millionenhöhe. Der Deutsche Verband für Post und Telekommunikation erwartet, dass in den nächsten fünf Jahren rund 15 Prozent der Verbraucher die De-Mail nutzen. (mit dapd)