Manchmal lohnt es sich, den Bescheid des Finanzamtes zu überprüfen. 
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BerlinIn diesen Tagen bekommen viele Steuerzahler ihren Bescheid zur Einkommenssteuer. Wer auf eine niedrigere Zahlung oder eine höhere Rückzahlung gehofft hat, sollte den Bescheid gründlich prüfen. Fehler kommen vor – auch im Onlineportal der Finanzverwaltung, Elster. Einen Monat lang haben die Steuerzahler Zeit, Einspruch gegen den Bescheid zu erheben.

Die Monatsfrist: Die Frist für den Einspruch zum Steuerbescheid beträgt einen Monat nach Erhalt des Bescheids. Drei Tage, nachdem der Brief mit dem Steuerbescheid abgeschickt und abgestempelt wurde, gilt der Brief als zugestellt, heißt es laut Gesetz. Ist dies zum Beispiel am 30. September der Fall, hat der Empfänger Glück: Die Frist läuft erst ab dem nächsten Werktag. Da der 3. Oktober ein Feiertag und der 4. Oktober ein Sonntag ist, beginnt die Frist erst am 5. Oktober.

„Die Monatsfrist endet mit dem Ablauf desjenigen Tages des darauffolgenden Monats, der durch seine Zahl dem Tag entspricht, an dem der Bescheid bekannt gegeben wurde“, erklären die Autoren Wolfgang Benzel und Dirk Rott im „Steuerratgeber für Arbeitnehmer. Ausgabe 2020“. In diesem Fall wäre es der 5. November, der auf einen Montag fällt. Läge der Tag am Wochenende, wäre der nächste Werktag relevant.

Einspruch: Der Einspruch muss schriftlich beim Finanzamt eingereicht werden. Dafür reicht ein formloses Schreiben. Das Schreiben kann per Post, Fax, E-Mail oder über das besagte Onlineportal Elster eingereicht werden.

Laut „finanztip.de“ sind fast zwei Drittel aller Einsprüche erfolgreich. Wenn ein Einspruch beim Finanzamt eingeht, überprüft dieses den gesamten Bescheid. Das kann auch dazu führen, dass Fehler zu Ungunsten des Steuerzahlers gefunden werden. Darüber muss das Finanzamt den Steuerzahler informieren, so Finanztip. Falls dies rechtzeitig geschieht, kann der Steuerzahler den Einspruch noch zurückziehen. Liegt ein neuer Bescheid vor, ist die darin genannte Summe fällig.

Bescheid und Vergleichsberechnung: Wer seine Steuererklärung online einreicht, erhält seinen Bescheid im Elster-Postfach. „Im selben Postfach findet sich auch eine Vergleichsberechnung“, sagt Anja Hardenberg, Redakteurin für Themen rund ums Geld bei Stiftung Warentest. „Links steht im Vergleich, was ich als Steuerzahler eingereicht bzw. angegeben habe, und rechts daneben, was das Finanzamt in meinem Fall konkret anerkannt hat.“

So lassen sich Abweichungen des Bescheids von der Steuererklärung nachvollziehen. Wenn das Finanzamt Posten nicht anerkennt oder anders berechnet, begründet es das. Allerdings nicht in der Vergleichsberechnung, sondern im Bescheid selbst. Am Ende des Dokuments finden sich diese Erläuterungen.

Papierbescheid: Wer den Bescheid auf Papier eingereicht hat, muss seine Ansprüche genau kennen, um Fehler zu finden. Das ist nicht einfach – zum Beispiel bei der Überprüfung von Vorsorgeaufwendungen, erklärt Stiftung Warentest. „Am Ende bleibt nur, die Daten aus der Papier-Steuererklärung Posten für Posten mit dem Steuerbescheid abzugleichen.“ Damit könnten zumindest Schreibfehler und Zahlendreher ausgeschlossen werden. Außerdem werde so klar, ob das Finanzamt alle Ausgaben übernommen hat.

Vermerke in der Steuererklärung: Nur weil ein Bescheid vorliegt, heißt das noch nicht, dass er abschließend kontrolliert wurde. Stiftung Warentest weist im aktuellen Heft darauf hin, dass das Finanzamt auch vorläufige Bescheide erteilen kann. Das kann passieren, wenn ein Verfahren beim Bundesfinanzgerichtshof anhängig ist, dessen Urteil das Finanzamt abwarten will. Ein anderer Fall ist der „Vorbehalt der Nachprüfung“. Das betrifft Selbstständige oder Gewerbetreibende, bei denen möglicherweise eine Betriebsprüfung erfolgen soll.

Fehlerquellen: Bei Arbeitnehmern senden der Arbeitgeber und die Krankenversicherung Daten ans Finanzamt, die in die Steuererklärung einfließen. „Es kann vorkommen, dass der Arbeitgeber bei der Angabe des Lohns irrt“, sagt Hardenberg. Auch Krankenkassenbeitrag, Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag können noch einmal mit den eigenen Berechnungen verglichen werden.

Aussetzung der Vollziehung

Ein Einspruch gegen den Steuerbescheid hat keine aufschiebende Wirkung. Die Steuer ist fällig und der Empfänger des Bescheids muss zahlen.

Alternative: Wer eine „Aussetzung der Vollziehung“ beantragt, hemmt die sofortige Zahlungspflicht. Die Aussetzung der Vollziehung muss begründet werden.

Das Finanzamt muss die Aussetzung schriftlich bestätigen. 

Wenn dem Einspruch nicht stattgegeben wird, sind eventuell Zinsen ans Finanzamt fällig – 0,5 Prozent für jeden vollen Monat, also sechs Prozent im Jahr.

Arbeitswege: 30 Cent dürfen Arbeitnehmer pro Kilometer Arbeitsweg absetzen. Ab 14 Kilometern Weg überschreiten Personen, die mit dem Auto zur Arbeit fahren, die 1000 Euro Werbungskostenpauschale jährlich. Allerdings muss die kürzeste Fahrtstrecke gewählt werden. Mancher Arbeitnehmer wählt einen Schleichweg, der etwas länger ist. Möglicherweise berechnet das Finanzamt aber den direkten Weg und senkt deshalb den angegebenen Betrag. Oder Dienstreisen oder andere berufliche Fahrten wurden nicht anerkannt, weil das Finanzamt sie als Wege zur Arbeit eingeordnet hat. Hier hilft häufig eine klare Aufstellung der Fahrten und ein Gespräch mit dem Finanzamt.

Nebenkostenabrechnung: Bis zu 4000 Euro können Steuerzahler jährlich für haushaltsnahe Dienstleistungen von der zu zahlenden Steuer abziehen. Hinzu kommen bis zu 1200 Euro für Handwerkerleistungen im Haus, der Wohnung oder auf dem Grundstück. Bei den Rechnungen können jeweils 20 Prozent geltend gemacht werden – ohne Materialkosten. Dasselbe gilt für solche Leistungen in der Nebenkostenabrechnung von Mietern und der Hausgeldabrechnung für Eigentümer, die ihre Wohnung selbst nutzen. Was berücksichtigt wurde, steht unter „Berechnung der Steuer“ als „Ermäßigung“ für Handwerkerleistungen oder für haushaltsnahe Dienstleistungen, erklärt Stiftung Warentest. Wer noch auf seine Nebenkostenabrechnung wartet, kann das Amt bitten, den Bescheid zunächst offen zu lassen. Ist die Einspruchsfrist vorbei, kann eine Änderung wegen neuer Tatsachen beantragt werden.

Altersentlastungsbetrag: Wer vor Beginn des Kalenderjahrs, für das die Einkommenssteuer ermittelt wird, das 64. Lebensjahr vollendet hat, kann einen Altersentlastungsbetrag geltend machen. Dieser gilt etwa für Einkünfte aus Miete oder Kapitalerträgen. Der Betrag wird entsprechend dem Geburtsdatum individuell bestimmt und bleibt auf Dauer bis ans Lebensende gleich. Für den Geburtsjahrgang 1954, der im vorletzten Jahr den 64. Geburtstag feierte, gilt beispielsweise ab 2019 ein Altersentlastungsbetrag von 17,6 Prozent oder maximal 836Euro. Ehepaare sollten prüfen, ob das Finanzamt die Einkünfte dem richtigen Partner zugeordnet hat. Hier kann es schon mal zu Irrtümern kommen.