Berlin - Das klassische Taxigewerbe in Europa macht mobil gegen seine rasant wachsende Internet-Konkurrenz: Mit Streiks und Autokorsos protestierten am Mittwoch Taxifahrer in zahlreichen Metropolen gegen Privatchauffeure, die mit Mobiltelefon-Apps auf Kundensuche gehen. In London wollten rund 12.000 Taxen den Trafalgar Square blockieren.

In Berlin veranstaltete der Branchenverband BZP eine Sternfahrt, in Paris verabredeten sich Fahrer zu Schleichfahrten und blockierten den Verkehr. Die Proteste richten sich vor allem gegen das Startup-Unternehmen Uber aus San Francisco, das global auf Expansionskurs ist. Den Streik nutzte Uber für Werbung: In Berlin bekamen Kunden 50 Prozent Rabatt auf gemeinsame Fahrten mit Freunden.

Auf eigene Rechnung

Uber wird mittlerweile von Finanzprofis mit 18 Milliarden Dollar bewertet und zählt zu den heiß begehrtesten Firmen im Silicon Valley. Erst vergangenen Woche hatten Investoren insgesamt 1,2 Milliarden Euro in den Limousinen-Dienst gesteckt. Anders als traditionelle Taxiunternehmen betreibt Uber keinen Fuhrpark, sondern vermittelt Fahrten per Smartphone. Die Uber-Fahrer arbeiten auf eigene Rechnung. Derzeit ist das Unternehmen nach eigenen Angaben in 128 Städten in 37 Ländern tätig. Daneben gibt es noch andere Samrtphone-Vermittler wie Wundercar, die auf Privat-Leute setzen, die gegen ein „Trinkgeld“ Fremde mitnehmen.

„Diese Anbieter hungern uns aus“, klagte Mick Fitz, ein Londoner Taxifahrer. Die Uber-App entspreche einem Taximeter, deshalb müsse Uber auch der strikten britischen Taxi-Regulierung unterliegen. Auch der deutsche Taxi- und Mietwagenverband (BZP) spricht von Schwarzkonkurrenten, die keine Zulassung auf dem Taximarkt hätten und Fahrer ohne Prüfung und Gesundheitscheck beschäftigten.

Unterschiedliche Reaktionen

Der Uber-Regionalmanager Nordeuropa, Pierre-Dimitri Gore-Coty, sagte dagegen: „Wir erleben eine Industrie, die seit Jahrzehnten keine Konkurrenz kennt.“ Nun hätten die Fahrgäste mit Uber erstmals eine Wahlmöglichkeit. So sind die Reaktionen im Netz auch gespalten: Während einige die Arbeitsbedingungen für Taxifahrer bei neuen Diensten bemängeln, kritisieren andere die breite Front gegen neue Geschäftsmodelle als fortschrittsfeindlich.

Auf Widerstand treffen die alternativen Anbieter auf der ganzen Welt. So laufen in den USA Verfahren gegen Uber. In Berlin hatte das Landgericht im April zwar im Eilverfahren den Einsatz der Uber-App untersagt. Das klagende Taxiunternehmen will die einstweilige Verfügung allerdings nicht vollstrecken, weil es bei einer Niederlage im Hauptverfahren Schadenersatz-Forderungen von Uber befürchtet. In Paris sind die Taxifahrer schon seit Monaten wegen Uber und anderen Konkurrenten auf dem Kriegspfad.

In der französischen Hauptstadt wollen rund 3000 Fahrer die Flughäfen Orly und Charles de Gaulle blockieren. Mailand wird mit rund 5000 streikenden Fahrern gerechnet, auch in Madrid sind tausende Taxifahrer zum Streik aufgerufen. Proteste sind auch in Lissabon, Sao Paolo und Chicago geplant. Auch in London u hatte es bereits mehrfach Proteste von Taxifahrern gegen die neuen Wettbewerber gegeben.

Häufig nicht versichert

Private Fahrer seien oft nicht für die Beförderung versichert, absolvierten keine regelmäßigen Gesundheitschecks, ihre Ausbildung und der technische Zustand des Autos würden nicht geprüft, kritisierte der Präsident des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbands BZP, Michael Müller, zum Aktionstag. Uber entgegnet stets, man überprüfe die Fahrer und sorge für die Sicherheit der Fahrgäste.

Der Dienst musste in Europa bereits Rückschläge hinnehmen. In Brüssel wurde Uber der Betrieb untersagt, in Frankreich gibt es Einschränkungen. In Berlin erwirkte ein Taxifahrer im Frühjahr eine einstweilige Verfügung gegen Uber, vollstreckte sie jedoch unter Hinweis auf wirtschaftliche Risiken nicht. (dpa,rtr,cba)