Bertolt Brecht brach mit den Sitten seiner Zeit. Er schrie und schrieb als Angriff auf die Wahrnehmungsraster- und gewohnheiten des Bildungsbürgertums. Er sah Kunst in der Verantwortung und mahnte zur politischen Partizipation. Inmitten der Weltwirtschaftskrise entstand 1929 aus diesem Geflecht „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ – ein Sittengemälde über den Kapitalismus zwischen den stillgelegten Fleischhöfen Chicagos und starren Arbeitern im Schnee. Der Aufstand wider die Verhältnisse fällt den Aufbegehrenden bei Brecht letztlich auf die Füße. Die Revolution frisst ihre Kinder - ein ewiger Epilog. Wie bei GameStop. Das werden wir noch sehen.

Johannas Gegenüber – für sich ein historisches wie literarisches Motiv, dem Aufstand eine Figur zuzuordnen – finden wir derweil als Analogie unserer Zeit ganz zeitgenössisch nicht mehr auf Papier. Die jüngsten Momente des Aufbegehrens begründen sich in Teilen des Internets, das sich als dezentrale Besprechung zur analogen Realität auf Plattformen wie twitch oder Reddit Bahn bricht. Demgegenüber wirken die Kapitalismuskritikreihen bei Suhrkamp und Matthes & Seitz immer schon bei Erscheinen wie von gestern. Sie werden geschrieben von Autoren, die dem Digitalen – den marodierenden Meuten auf Twitter letztlich verwandt –  vor allem als Beobachter gegenüberstehen. 

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