Berlin - Es war ein gelungener Abschluss: Am Ende des gestrigen Handelstages schloss der deutsche Leitindex Dax bei 15.008 Punkten, ein satter Tagesgewinn von fast 1,3 Prozent. Derzeit profitieren vor allem klassische Werte von einem Nachfragehoch. Vor allem zyklische Aktien sind bei den Börsianern gerade heiß begehrt, also Aktien von Unternehmen, deren Umsatz und Börsenkurs stark mit der allgemeinen konjunkturellen Lage korrelieren.

Investoren setzen derzeit ihre Hoffnung in die anziehende Weltkonjunktur und die damit verbundenen Mehrausgaben bei Unternehmen und Verbrauchern. Zyklische Aktien sind im Dax traditionell stark vertreten – während Technologieunternehmen von weltweiter Bedeutung anders als in den USA eher Mangelware sind. Zu den Tagessiegern gehörten gestern vor allem die Unternehmen aus der Automobilbranche, neben der VW-Vorzugsaktie konnten auch die Aktien von BMW, Daimler und Continental kräftig zulegen.

Die starke Exportorientierung der Automobilindustrie erweist sich derzeit als Vorteil, denn die schleppende Impfkampagne in Deutschland hat keinen negativen Einfluss auf die Nachfrage in den USA und China.

Die im Dax vertretenen Unternehmen profitieren im Gegensatz zum letzten Jahr von der guten Stimmung auf den Weltmärkten. 2020 war hingegen das Jahr der Technologieaktien. Während sie sich vom Kurssturz während des „Corona-Schocks“ im März letzten Jahres rasch erholten und immer neue Höhenflüge antraten, hatten Investoren, die auf zyklische Aktien von Autobauern, Konsumherstellern oder Rohstoffproduzenten gesetzt haben, bis jetzt das Nachsehen.

Besonders deutlich wurde das im amerikanischen Technologieaktienindex Nasdaq, er legte trotz der Corona-Pandemie im letzten Jahr um 43,2 Prozent zu. Der auf deutsche Technologieaktien spezialisierte TecDax konnte damit zwar nicht mithalten, aber auch in Deutschland gab es im vergangenen Jahr bei den Technologieunternehmen vereinzelt starke Kursgewinne: Die Infineon-Aktie legte im vergangenen Jahr um ein sattes Drittel auf 35,69 Euro zu, die Aktien von Carl Zeiss Meditec AG konnte sich vom 52-Wochentief von 79,70 Euro rasch erholen und notiert nun bei 127,80 Euro.

Viele Börsen-Stars aus dem letzten Jahr, die vor allem im amerikanischen Nasdaq gelistet sind, schwächeln derzeit. Auch Börsenneulinge bleiben davon nicht verschont: Das hoffnungsvoll gestartete KI-Unternehmen C3.ai, das KI-Anwendungen für die Industrie entwickelt, listet derzeit sogar unterhalb des Ausgabekurses.
Der Grund dafür: Risikoaverse Investoren schichten ihr Geld derzeit lieber in sichere Häfen um, gerade der erwartete Zinsanstieg in den USA lässt die Kurse bei Technologieunternehmen mit unklarer Umsatzprognose derzeit purzeln.