Berlin - Im Westen wird bis zu 70 Prozent mehr Lohn gezahlt als im Osten. Das ist der Extremwert. Der durchschnittliche Unterschied liegt bei 25 Prozent. Mehr als 30 Jahre nach dem Mauerfall ist das traurig, ist das beschämend.

Natürlich gibt es auch Gefälle zwischen Nord und Süd oder Stadt und Land und auch im Osten zwischen den Ländern. Es gibt viele Gründe, und die wirtschaftlichen Erklärungen von der niedrigeren Produktivität bis zur geringeren Tarifbindung im Osten mögen faktisch richtig sein, aber die Botschaft bleibt politisch fatal: die einstige DDR – „der dumme Rest“.

Dabei stimmt die Sache mit den niedrigeren Preisen nicht so ganz, wenn der Schweinsbraten im bayrischen Biergarten 10 Euro kostet, in Brandenburg aber 14. Oder wenn die Miete einer 100-Quadratmeter-Wohnung in Leipzig bei 9,04 Euro pro Quadratmeter liegt und in Dortmund bei 8,94 Euro.

Natürlich kann die Politik keine Löhne vorschreiben, aber es hat eine Wirkung, wenn im Fall des politisch festgelegten Mindestlohns nach Ost und West unterschieden wird.

Und es bleibt ein Grundproblem: Der Osten hat keine wahrnehmbare Stimme in der Regierung, gerade weil die Kanzlerin aus dem Osten ist und diesen Teil ihrer Identität möglichst weit hintanstellt. Die Linkspartei zerlegt sich lieber selbst, also wenden sich manche im Osten der AfD zu.

25 Prozent Lohnunterschied erklären natürlich nicht, warum die AfD in Thüringen bei 23,4 Prozent steht und in Bremen bei 6,1. Denn die AfD ist beim besten Willen keine Ostpartei, aber sie greift im Osten geschickt Befindlichen auf und punktet mit Losungen wie „Vollende die Wende“.

Noch fataler ist, dass sich viele ganz abwenden – genau wegen solcher Enttäuschungen wie beim Lohn. Geld ist nun mal die Basis. Deshalb werden solche Unterschiede von vielen als diskriminierend empfunden.