Es ist legitim, Vorstandsvorsitzenden Joe Kaeser beim Thema Nachhaltigkeit beim Wort zu nehmen und einen Zeitplan zum Umbau Siemens-Portfolios zur Energieerzeugung zu verlangen.
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Berlin - Vor kurzem noch konnte Siemens sich ohne großen Widerspruch als grüner Vorzeigekonzern inszenieren. Massive Proteste von Klimaaktivisten haben das in Rekordzeit geändert und den Konzern zum Klimakiller abgestempelt. Ausgerechnet Siemens mit seiner oft strom- und damit energiesparenden Technologie, mit dem grünen Windkraftgeschäft, mit einem Konzernchef Joe Kaeser, der versprochen hat, alle Fabriken bis 2030 klimaneutral zu machen. 

Aber es gibt auch ein anderes Siemens, eines das Kohlekraftwerke ausrüstet, auf Gas als Brückentechnologie setzt und eines, das einer neuen riesigen Kohlemine in Australien Technik zuliefert. In der Finanzwelt dagegen haben sich einige zu echten Vorreitern gemacht

Mit Klimaaktivisten ins Gespräch kommen könnte helfen

Die Assekuranzriesen Allianz und Munich Re versichern Kohleindustrien nicht mehr. Sie investieren als große Kapitalanleger auch nicht mehr in Kohle. 60 Konzerne haben Geschäfte mit dem indischen Adani-Konzern, der die Kohlemine in Australien baut, im Gegensatz zu Siemens abgelehnt. Nun ist es für Finanzkonzerne und Investoren einfacher, sich radikalem Kampf gegen den Klimawandel zu verschreiben, als für einen Konzern wie Siemens, der traditionell in großem Stil Turbinen für Kohle- und Gaskraftwerke baut oder wartet und so Laufzeiten verlängert.

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Wahr ist aber auch, dass speziell das Geschäftsmodell der künftigen Siemens Energy teils klimaschädlich ist. Legitim ist es zudem, Kaeser beim Thema Nachhaltigkeit beim Wort zu nehmen und einen Zeitplan zum Umbau Siemens-Portfolios zur Energieerzeugung zu verlangen. Mit Klimaaktivisten ins Gespräch zu kommen, könnte wirklich helfen. Dazu müssen aber beide Seiten wollen.