Die Deutsche Bahn braucht jetzt Verlässlichkeit und Führung.
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BerlinEigentlich müsste jetzt die Stunde der Deutschen Bahn schlagen. Eigentlich wäre jetzt die Zeit für den ganz großen Befreiungsschlag. Gerade erst hat der Bund die Weichen gestellt für eine beispiellose Modernisierungsoffensive. Mehr als 156 Milliarden Euro wird der Staatskonzern bis zum Ende des kommenden Jahrzehnts zur Verfügung haben – es war die vielleicht wichtigste Entscheidung der GroKo in diesem Jahr.

Perfekte Ausgangsbedingungen – wären da nur nicht die Grabenkämpfe, das Misstrauen und die Machtspielchen, die das Unternehmen in den vergangenen Wochen regelrecht gelähmt haben.

Deutsche Bahn braucht Führung

Der Fall von Finanzvorstand Alexander Doll, der als Hoffnungsträger galt und jetzt einen Aufhebungsvertrag unterschrieben hat, führt vor Augen, wie es um die Bahn bestellt ist. Ihre Führungskräfte waren zuletzt vor allem mit sich selbst beschäftigt. Darunter litt die Konzentration auf die notwendigen Zukunftsaufgaben.

Dass der Verkauf der Auslandstochter Arriva, der dem Konzern im Tagesgeschäft finanziell wieder Luft verschaffen sollte, buchstäblich in letzter Minute abgeblasen werden musste, spricht Bände. Die Bahn braucht nun vor allem Verlässlichkeit und Führung.

Politik soll Richtung vorgeben

Verkehrsminister Andreas Scheuer war in der Vergangenheit bereits mehrfach auf Distanz zu Vorstandschef Richard Lutz gegangen. Es ist höchste Zeit für den CSU-Politiker, die Zukunft des Konzerns zur Chefsache zu machen und eine klare Richtung vorzugeben.

Was fehlt ist ein schlüssiger Masterplan für den Verkehr auf der Schiene. Eine Bahn, die sich selbst blockiert, kann diese Republik nicht gebrauchen.