Bekommen die Berliner bald einen Ostsee-Express? Noch sind die Züge bis nach Ahlbeck auf der Insel Usedom rund vier Stunden unterwegs, weil sie einen großen Umweg über Züssow und Wolgast fahren müssen. Das soll sich ändern: Der Berliner Senat drängt auf den Wiederaufbau der traditionellen Bahnverbindung in die ehemaligen Kaiserbäder Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin geradewegs über Ducherow, Karnin und die polnische Stadt Świnoujście (Swinemünde). Das Problem: Die 1945 in den letzten Kriegstagen gesprengte Karniner Brücke, die Usedom mit dem Festland verbindet, wurde nie wieder aufgebaut. Später wurden auch die Gleise zwischen Ducherow und Swinemünde entfernt. Bei einem Treffen mit Vertretern der Inselgemeinden kündigte Berlins Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler (SPD) nun an, sich für den Wiederaufbau der Strecke stark zu machen.

50 Kilometer fehlen

Bisher jedoch lehnt Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) eine Finanzierung ab. Er bezweifelt die Wirtschaftlichkeit des Projektes. Andere Studien belegen das Gegenteil. Die Verbindung wäre nicht nur für Ostseeurlauber von Vorteil, auch der Güterverkehr würde profitieren. Die Fahrzeit auf der Strecke ließe sich von vier auf zwei Stunden halbieren. „Die Kosten wären mit bis zu 140 Millionen Euro zu stemmen, allerdings müsste der Bund die Weichen im Bahnverkehr endlich neu stellen“, sagt der Verkehrsexperte und Europaabgeordnete der Grünen, Michael Cramer. „Wir müssen weg von teuren Prestigeprojekten wie Stuttgart 21 oder dem Brenner-Basis-Tunnel und das Geld für jene Schienenprojekte ausgeben, die effizient sind und kurzfristig Erfolg versprechen.“