Berlin - Nach der Ausweitung des City-Tickets der Deutschen Bahn auf fast alle Fernreisen haben Verbraucherschützer vor der Gefahr des ungewollten Schwarzfahrens gewarnt. Zwar sei die Möglichkeit, vor oder nach der Bahnfahrt das Ticket auch für den Öffentlichen Nahverkehr nutzen zu können, grundsätzlich zu begrüßen, erklärte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) am Donnerstag.

Ungewollte Schwarzfahrer

Allerdings sei der mit dem Ticket nutzbare Bereich in den Städten oft eingeschränkt. Da die Bahn in ihrem Werbefilm für das City-Ticket aber keinen Hinweis auf die eingeschränkten Geltungsbereiche gebe, sei das Unternehmen nun abgemahnt worden, erklärte der Verband. „Viele Verbraucher nehmen die Einschränkungen des Geltungsbereiches nicht wahr und fahren ungewollt schwarz“, kritisierte vzbv-Rechtsexpertin Kerstin Hoppe. „Die Werbung klärt sie darüber nicht oder nicht deutlich genug auf. Dies sollte die Deutsche Bahn schnellstens ändern.“

In Berlin könne beispielsweise nur die Tarifzone A innerhalb des S-Bahn-Rings einschließlich des Nöldnerplatzes und des Bezirks Lichtenberg genutzt werden. Für Verbraucher, die das nicht wüssten, könne es somit teuer werden. Die Bahn hatte das City-Ticket zum 1. August auf alle Reisende ausgeweitet, die mindestens 100 Kilometer weit fahren. Zuvor hatte dies nur für Bahncard-Kunden gegolten.

Jeder kocht sein eigenes Süppchen

Mit der Fahrkarte sollen Bahn-Kunden auch den öffentlichen Nahverkehr zum Startbahnhof und am Zielbahnhof zu ihrem eigentlichen Ziel nutzen können. Wenn es um die Tarifgestaltung im ÖPNV gehe, koche allerdings „jeder Verkehrsverbund sein eigenes Süppchen“, erklärte vzbv-Verkehrsexpertin Marion Jungbluth. „Für Verbraucher ist das Tarif-Wirrwarr undurchschaubar.“

Das werde am City-Ticket der Deutschen Bahn nochmals deutlich. „Ein City-Ticket sollte halten, was es verspricht, nämlich die An- und Abreise zum Bahnhof einschließen“, forderte Jungbluth. (afp)