Berlin - Bahnchef Rüdiger Grube hat derzeit ziemlich viel Ärger. Der Tarifkonflikt mit den Lokführern ist zwar beigelegt. Aber dennoch knirscht es im DB-Konzern gewaltig. Das Geschäft läuft nicht wie erhofft, wahrscheinlich wird die Deutsche Bahn 2015 erneut ihr Gewinnziel verfehlen.

Die Gütersparte schreibt Verluste, im Regionalverkehr machen sich zunehmend konkurrierende Eisenbahnunternehmen breit. Und dann ist da noch der Personen-Fernverkehr: Hier ist die Bahn unter anderem vom Erfolg der neuen Fernbus-Anbieter kalt erwischt worden. Seit zweieinhalb Jahren nun gibt es diese preiswerte und recht bequeme Art des Reisens. Die Zahl der Fahrgäste wächst beständig. Grube fordert deshalb eine Maut für Fernbusse – die nach seiner Ansicht  „in Sachen Steuern und Abgaben im Vergleich zur Bahn massiv bevorzugt werden“.

Noch keine Maut für Busse

Es ist gut möglich, dass die Rufe des bundeseigenen Konzerns früher oder später von der Politik erhört werden. Für Busse gibt es bisher keine Maut. Für Lastkraftwagen hingegen wird bekanntlich seit einigen Jahren eine Gebühr für die Benutzung von Fernstraßen erhoben. Die Einführung einer Pkw-Maut (die am Ende nur Ausländer zahlen sollen) wiederum ist beschlossene Sache. Die Vorbereitungen dazu hat die Bundesregierung wegen Widerstands aus Brüssel erst einmal gestoppt.

Um sich für mögliche Auseinandersetzungen zu wappnen, hat sich die Busbranche nun eine wissenschaftliche Argumentationshilfe besorgt. So fertigte das Berliner Forschungsinstitut IGES im Auftrag des Busverbandes BDO eine Studie an, die näher untersucht, welche Infrastrukturkosten Fernbusse und Fernzüge jeweils verursachen und wie groß der Beitrag ist, den sie selbst zur Deckung dieser Kosten leisten.

Studie: Mineralölsteuer deckt Bedarf, Staat zahlt bei Fernzügen kräftig mit

Die Experten kommen zu dem Ergebnis, dass es beim Bus bereits jetzt eine deutliche Überdeckung gebe, beim Fernzug hingegen eine krasse Unterdeckung. Die Fernbus-Betreiber zahlen zwar keine Maut, aber Mineralölsteuer. Pro Personenkilometer würden bei einer realistischen Auslastung der Fahrzeuge rund 0,51 Cent fällig, der Anteil des Busses an den Wegekosten für Autobahnen liege aber nicht einmal bei 0,4 Cent pro Personenkilometer.  Bei der Bahn müsse man berücksichtigen, dass der Bund den größten Teil der Kosten für Bau, Erhalt und Betrieb des Schienennetzes trage und auch bei den Trassengebühren viel Steuergeld fließe, denn schließlich sei der Nah- und Regionalverkehr auf der Schiene hochgradig subventioniert. Nach den Berechnungen der Forscher decken Fernzüge ihre Infrastrukturkosten gerade einmal zu einem Viertel: Pro Personenkilometer würden Entgelte von 3,33 Cent fällig, die Kosten betrügen aber 13,32 Cent.

Für die Busbranche folgt daraus, dass die Angriffe der Bahn auf den Bus aufhören müssen. „Er zahlt seine Wegekosten und bietet besonders einkommensschwachen Menschen eine komfortable Möglichkeit zu reisen“, sagt BDO-Hauptgeschäftsführerin Christiane Leonard. Die Bahn wird sich von der Argumentation kaum beeindrucken lassen. Sie hat schließlich viel zu verlieren: 2014 nutzten hierzulande bis zu 19 Millionen Fahrgäste Fernbusse. Prognosen zufolge könnte die Zahl in nicht allzu ferner Zukunft auf 27 Millionen steigen.