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Wer gute Zahlen vorlegt, darf Sprüche klopfen: „Bei Schönwetter und Rückenwind kann jeder fahren, wir wollen das bei jedem Wetter“, sagte der Finanzchef der Deutschen Bahn (DB), Richard Lutz, als er am Donnerstag zusammen mit Konzernchef Rüdiger Grube beachtliche Jahreszahlen vorgelegt hat. Danach fuhr die Bahn mit 1,5 Milliarden Euro einen Rekordgewinn ein – nach 1,3 Milliarden 2011. Der Umsatz stieg um 3,7 Prozent auf 39,3 Milliarden. Wohin mit dem Geld? Wir nennen die wichtigsten Ausgabenposten:

Investitionen: In den nächsten fünf Jahren will die DB 50 Milliarden Euro investieren, etwa die Hälfte davon steuert Eigentümer Bund bei. Das Geld fließt vor allem ins Netz, in Bahnhöfe und neue Züge.

Stuttgart 21: Die Kosten für den umstrittenen Tiefbahnhof laufen aus dem Ruder, sie werden nun auf 6,5 Milliarden Euro geschätzt, zwei Milliarden mehr als geplant. Derzeit verhandelt Bahnchef Rüdiger Grube mit den Projektpartnern Stuttgart und Baden Württemberg, sich an den Mehrkosten zu beteiligen. Die lehnen das bisher ab.

Infrastruktur: Allein fünf Milliarden Euro fließen im Jahr in das Schienennetz, der Großteil durch den Bund. Dennoch reichen die Mittel bei weitem nicht aus, um alle Mängel zu beseitigen. Nach Expertenberechnungen ist das 33.500 Kilometer lange Netz jährlich mit einer Milliarde unterfinanziert.

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Zugflotte: Die Bahn braucht dringend neue Züge. Unter anderem liefert Siemens ab 2016 bis zu 300 neue ICx-Züge in einem Wert von mehr als sechs Milliarden Euro. Die IC-Flotte wird für 265 Millionen Euro saniert und die ICE-2-Flotte für 150 Millionen generalüberholt. Zudem wartet die Bahn auf 17 ICE-3-Nachfolgezüge, die bereits seit zwei Jahren fahren sollen. Die Auslieferung verzögert sich auf unbestimmte Zeit, weil die Zulassung fehlt. Ähnliche Lieferprobleme gibt es bei anderen Zügen, weil das Eisenbahnbundesamt immer häufiger Zulassungen verweigert. Schließlich hat die Bahn auch noch bei Bombardier 27 Doppelstockzüge für 360 Millionen Euro in Auftrag gegeben.

Schulden: Ein Teil des Gewinns fließt auch in den Schuldenabbau. Der Schuldenberg ist 2012 auf rund 17 Milliarden Euro gestiegen.

Dividende: Der Eigentümer Bund verlangt seit einem Jahr eine Ausschüttung. Für 2011 lag sie bei 525 Millionen Euro, für 2012 soll sie ähnlich hoch sein. Allerdings will der Bund einen Großteil der Mittel wieder für den Ausbau des deutschen Schienennetzes nutzen.

Energiewende: Künftig soll der Schienenverkehr nicht mehr von der Umlage für das Erneuerbare Energien-Gesetz befreit werden. Schlimmstenfalls drohen so Mehrkosten von 500 Millionen Euro im Jahr, sagte Bahnchef Grube.

Berliner S-Bahn: Rund 400 Millionen Euro hat die DB in den letzten Jahren in ihre kriselnde Tochter investiert, doch noch immer fallen Züge aus. Die Bahn fühlt sich für das Dilemma nicht allein schuldig. Viele Wagen hätten Mängel, die der Hersteller Bombardier zu verantworten habe und die sich nicht beheben ließen, sagte Bahn-Vorstand Ulrich Homburg. Deshalb fordert die Bahn von Bombardier 350 Millionen Euro Schadensersatz.