Deutsche Bank: Jain spricht Deutsch

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Dass ausgerechnet einer der beiden Chefs eines Geldhauses namens Deutsche Bank kein Deutsch konnte, hat dem Branchenprimus viel Spott eingehandelt. Nun, ein Jahr nach seinem Amtsantritt, hat sich Anshu Jain erstmals auf Deutsch an die Aktionäre gewandt. „In den vergangenen Monaten verbrachten meine Familie und ich viel Zeit hier in Deutschland“, sagte der gebürtige Inder am Donnerstag auf der Hauptversammlung der Bank in der Frankfurter Festhalle. „Wir trafen auf Freundlichkeit und Freundschaft.“

Freundlich reagierten allerdings nicht alle auf seine Rede: Kritiker der Deutschen Bank unterbrachen seinen Vortrag mit Zwischenrufen wie „Krisenprofiteure“ und „Kriegstreiber“. Damit spielten sie offenbar auf Geschäfte der Bank mit Rüstungsfirmen an und kritisierten den Konzern stellvertretend für andere Institute als Profiteur der Finanzkrise.

Die Aktivisten wurden von Sicherheitskräften aus dem Saal getragen. Jain hatte in seiner Rede über die künftige strategische Ausrichtung der Bank gesprochen und bekräftigt, der Konzern wolle den ethischen Kulturwandel im Unternehmen weiter vorantreiben. Er warb für Geduld, was das Erreichen der Ziele betrifft. „Danke auch für Ihre Geduld mit meinem Deutsch“, sagte Jain mit einem Schmunzeln. Er sprach sehr langsam und hielt sich an den Redetext. „Ich hoffe, bei der nächsten Hauptversammlung ist mein Deutsch etwas besser.“ Immerhin: Viele Aktionäre spendeten Jain dafür mehrmals Applaus.

Fitschen: "Fehler belasten Ruf"

Inhaltlich interessanter war allerdings, was Co-Chef Jürgen Fitschen zu sagen hatte: „Ja, in der Vergangenheit wurden Fehler gemacht“, räumte er ein. Diese Fehler belasteten die Deutsche Bank „materiell und – schlimmer noch – sie belasten unseren guten Ruf“. Deutschlands größte Privatbank müsse deswegen „das Vertrauen unserer Kunden und das der Gesellschaft insgesamt neu gewinnen“.

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Finanzchef Stefan Krause wollte die finanziellen Risiken für die Deutsche Bank aus Rechtsstreitigkeiten nicht näher beziffern. Diese Risiken seien kaum verlässlich zu benennen, bewegten sich aber im Milliarden-Euro-Bereich. Denn die Deutsche Bank sieht sich mit einer Reihe von Skandalen und juristischen Auseinandersetzungen konfrontiert. Gegen den Konzern laufen unter anderem Untersuchungen der Finanzaufsicht wegen der Verwicklung von Mitarbeitern in die Manipulation international bedeutender Zinssätze. Zudem geht die Staatsanwaltschaft dem Verdacht auf Umsatzsteuerbetrug durch Konzernmitarbeiter im Handel mit CO2-Zertifikaten nach. In dem Zusammenhang gab es Ende 2012 auch eine Razzia bei dem Geldhaus.

Auch die juristischen Streitigkeiten im Zusammenhang mit der Rolle der Deutschen Bank bei der Pleite des Medienimperiums des verstorbenen Unternehmers Leo Kirch sind noch nicht beigelegt. In den USA muss sich der Konzern für Geschäfte mit Immobilienkrediten vor Gericht verantworten.

Aktionärsvertreter Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) kritisierte, die Bilanz Jains und Fitschens für ihr erstes Amtsjahr falle „leider noch durchwachsen aus“. Die Verwicklung von Konzernmitarbeitern in Zinsmanipulationen sei unsäglich gewesen und wäre „genauso, als wenn man Falschgeld drucken und unter die Leute bringen“ würde.

Durchwachsene Bilanz

An Jain als früheren Leiter des Investmentbankings der Deutschen Bank gerichtet, sagte Nieding: Die schlechten Schlagzeilen über den Konzern seien „natürlich auch Geschäften zu verdanken, die auch unter Ihrer Leitung im Geschäftsbereich Investmentbanking getätigt wurden“. Um den angekündigten Kulturwandel der Bank umzusetzen, sei mehr notwendig als Lippenbekenntnisse. Nieding sprach sich dafür aus, Fitschens Vertrag über die Hauptversammlung 2015 hinaus zu verlängern, damit der Niedersachse den „Kulturwandel“ unumkehrbar machen könne.

Der Vorstand stellte den Aktionären künftig wieder höhere Dividenden in Aussicht. in diesem Jahr gibt es 75 Cent je Anteilschein. (FR/dpa, Reuters, AFP)