Deutsche trinken immer weniger Bier: Brauer setzen auf Bier mit Melonengeschmack

Einen Grund für Freudensprünge sieht Stephan Barth wahrlich nicht. Er ist Chef des weltgrößten Hopfenhändlers, der Nürnberger Barth-Gruppe. Globale Überkapazitäten beim Rohstoff Hopfen drücken die Preise. Der Anstieg des Weltbierausstoßes um gut drei Prozent im vergangenen Jahr auf den Rekordwert von über 1,9 Milliarden Hektoliter geht fast komplett auf das Konto von China als weltweiter Biernation Nummer eins.

Deutschland liegt nur noch auf Rang fünf. Fast eine halbe Milliarde Hektoliter Bier wurden 2011 in China gebraut, knapp 96 Millionen Hektoliter waren es hierzulande, Tendenz sinkend: Der Pro-Kopf-Verbrauch ist in Deutschland seit Mitte der 70er Jahre von gut 150 auf heute 107 Liter gesunken.

Das liegt nicht nur an der schrumpfenden Bevölkerung, sondern auch am miesen Image des Bieres, findet der Präsident des bayerischen Brauerbunds Friedrich Düll. „Bier wird in Deutschland verramscht zum Supersonderdauerniedrigpreis“, mäkelt er. Marktforscher bestätigen das. Gut zwei Drittel der deutschlandweit am meisten getrunkenen Biersorte Pils wurden 2011 vom Handel per Sonderangebot verkauft, hat die Nürnberger Gfk-Gruppe ermittelt.

Hoffen auf den Dufthopfen

Aber Düll und Barth haben eine Hoffnung namens Dufthopfen. Das sind keine künstlichen Aromastoffe sondern neue Hopfenzüchtungen, die Bier beim Brauvorgang Geschmacksnuancen wie Melone oder Mandarine verleihen. „Wir haben eine unheimliche Nachfrage nach Mustern der neuen Sorten“, sagt Barth.

Düll schwärmt von neuen Gourmetbieren. In den USA habe diese Strategie binnen weniger Jahre zu eine Wiederbelegung des Biermarkts geführt. Dufthopfen sei auch für die Hopfenbauer eine Chance, sagt Barth. Unter Hopfenpflanzern sei wegen der Dufthopfen wahre Goldgräberstimmung ausgebrochen, heißt es beim bayerischen Brauerbund. Nun müssten nur noch die Biertrinker auf den Geschmack kommen.