Jochen Köckler, Vorstandschef der Deutschen Messe AG.
Foto: dpa/Christophe Gateau

Deutsche Unternehmen versuchen langsam, sich auf einen Neustart vorzubereiten. Insgesamt sei die Lage allerdings sehr kritisch, weil nicht klar sei, wie lange der Shutdown dauern werde, sagt der Vorsitzende des Vorstands der Deutschen Messe AG in Hannover, Jochen Köckler, der Berliner Zeitung: „Wir haben bisher schon erheblichen Schaden erlitten. Aber noch befinden wir uns in einer Art Schockzustand. Wir hoffen sehr, dass die Produktion nach Ostern langsam wieder hochgefahren werden kann.“

Köckler hat „großes Verständnis“ für die aktuellen politischen Maßnahmen, mit denen „wir alle beitragen, dass unsere Krankenhäuser nicht überlastet werden“.

Lesen Sie hier unseren Corona-Newsblog

Behelfskrankenhaus auf Gelände

Wie die Berliner Messe stellt auch die Deutsche Messe AG in Hannover Raum auf ihrem Gelände für die Corona-Versorgung zur Verfügung. Ein Behelfskrankenhaus befindet sich in einer Messehalle. Weitere Hallen dienen als Lager, Logistik oder für die Duschbereiche.

Für die deutsche Wirtschaft stellt sich die Frage, so Köckler, wie die „Wertschöpfungsketten geschlossen werden und die Nachfrage wieder in Gang gebracht“ werden können. „Die größte Herausforderung für uns ist die Frage, in welchem Zeithorizont wir planen können. Der Ausbruch des Coronavirus hat dazu geführt, dass die Globalisierung wie noch nie zuvor schlagartig zurückgefahren wurde.“

Lob an deutsche Politik

Köckler sieht zwei Szenarien, auf die die Wirtschaft sich einstellen müsse: „Es ist nicht klar, ob das Virus in ein paar Wochen verschwunden sein wird, oder ob wir uns darauf einstellen müssen, dass wir mit dem Virus auf längere Sicht leben müssen.“ Für die Messe AG gibt es daher eine Planung, nach der in der zweiten Jahreshälfte wieder Messen stattfinden werden. Sollte dies nicht möglich werden, so könne die Lage „schwierig werden“.

Köckler betont, dass die deutsche Politik „sehr gut“ auf die kurzfristigen Herausforderungen reagiert habe. Er erwähnt das Mittel der Kurzarbeit, welches auch von der Deutschen Messe AG in Anspruch genommen wird. Außerdem habe es die dringend notwendigen, schnellen Hilfen für Freiberufler und Selbstständige gegeben.

Die Deutsche Messe AG hat im April erstmals in ihrer Geschichte die Hannover-Messe abgesagt. Die für den Juni geplante Messe Interschutz, die nur alle fünf Jahre stattfindet, hat die Messe ins nächste Jahr verschoben. Köckler: „Diese Messe ist von großer Bedeutung für Rettungsunternehmen und Feuerwehren. Wir stehen in engem Austausch mit den Herstellern. Das Feedback, das wir bekommen, ist eindeutig: Die Hersteller brauchen den Treffpunkt, um Innovationen zu präsentieren und Partnerschaften zu schließen. Das kann nicht alles digital geschehen.“

Auch in Zukunft Einschränkungen

Hoffnung auf eine Verbesserung schöpft Jochen Köckler aus China. Die Deutsche Messe AG beschäftigt 200 Mitarbeiter in Shanghai und veranstaltet 30 Messen im Jahr. Im Januar hatte die Regierung in Peking den kompletten Shutdown verordnet. Die chinesischen Mitarbeiter des Unternehmens sind ins Homeoffice gezogen. Seit Kurzem arbeiten die Mitarbeiter wieder aus den Büros. Köckler: „Wir hoffen, dass wir im Mai oder Juni wieder loslegen können und Messen veranstalten werden.“

Allerdings werde es auch in Zukunft noch Einschränkungen geben. Köckler: „Auch künftig werden die chinesischen Behörden genau kontrollieren, ob sich das Virus weiter ausbreitet. Dazu gehören regelmäßige Kontrollen mit Fiebermessen sowie das Tragen eines Mundschutzes.“

Kein Corona-Fall in Schanghai

Die internationale Dimension dürfte ebenfalls noch einige Zeit beeinträchtigt sein. Noch ist unklar, wann Ausländer wieder nach China reisen können und welche Kontrollen für sie vorgesehen sind. Immerhin ist es der chinesischen Regierung gelungen, mit der Abriegelung von Wuhan eine Ausbreitung in andere größere Städte einzudämmen. So hat es in Shanghai bei der Deutschen Messe AG bisher keinen Fall einer Corona-Infizierung gegeben.

Köckler geht davon aus, dass die Deutsche Messe AG einen Zeitraum von zwei Monaten einigermaßen gut überstehen kann. Länger sollte der Shutdown allerdings nicht dauern. Er hofft daher auf eine langsame Normalisierung des Wirtschaftslebens im Mai. Und er sieht auch eine Chance in der Krise: „Jeder muss sich angesichts dieser Krise fragen, wie gesund sein Geschäftsmodell mittelfristig ist. Keiner wird im Grund einfach so weitermachen können wie bisher.“