Die japanische Börse zeigt vor allem Minuszeichen vor den Werten.
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MünchenDie deutsche Wirtschaft bietet in den Zeiten des sich ausbreitenden Coronavirus ein zwiespältiges Bild. Am Montag wurde der Geschäftsklimaindex des Münchener Ifo-Instituts veröffentlicht. Botschaft: Die deutschen Manager schauen eigentlich ganz optimistisch in dieses Jahr.

„Die deutsche Wirtschaft scheint von der Entwicklung rund um das Coronavirus unbeeindruckt“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. An diesem Dienstagmorgen stürzte der Börsenindex Dax an der Börse zunächst ab. Mit 12.877 Punkten lag er auf dem tiefsten Niveau seit Ende Oktober vergangenen Jahres. Zwar erholte sich der Dax am Morgen unmittelbar bis auf 13.132 Punkte, es fehlten dann jedoch die Anschlusskäufe, und es ging schnell wieder abwärts.

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Deutsche Konjunktur bekommt Coronadelle

Vielleicht schätzen die Börsenhändler die Coronagefahr anders ein als die Manager von echten Unternehmen. Allerdings bekommt die deutsche Konjunktur langsam eine messbare Coronadelle:  Weil das Wirtschaftswachstum im vierten Quartal 2019 im Vergleich zum Vorquartal stagnierte, geht Europas größte Volkswirtschaft ohne nennenswerten Rückenwind ins laufende Jahr.

Die Hoffnung auf eine rasche Konjunkturerholung schwindet, nachdem die Coronavirus-Epidemie inzwischen in Europa angekommen ist und sich derzeit vor allem in Italien ausbreitet. „Deutschlands stärkste Trumpfkarte hat sich zum Schwachpunkt entwickelt: Die Offenheit und Abhängigkeit von Exporten und dem globalen Handel“, sagte Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING Deutschland.

Kein Konjunkturabsturz

Mit einem Konjunkturabsturz rechnen Ökonomen aktuell allerdings nicht. Bereits im vergangenen Jahr bremste der Export belastet von internationalen Handelskonflikten und der Abkühlung der Weltwirtschaft die Konjunkturentwicklung. Gestützt wurde die Konjunktur Oktober bis Dezember von den boomenden Bauinvestitionen.

Der Konsum verlor nach einem sehr starken dritten Quartal dagegen deutlich an Dynamik. Die privaten Konsumausgaben stagnierten zum Jahresende, der Staat erhöhte seine Konsumausgaben nur leicht um 0,3 Prozent. Sinkende Exporte dämpften die Entwicklung. Die Ausbreitung des Coronavirus könnte Volkswirten zufolge die erhoffte Konjunkturerholung in diesem Jahr verzögern.

Entwicklung in China bereitet Sorge

Einige rechnen mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung im ersten Quartal, andere mit einer erneuten Stagnation im Vergleich zum Vorquartal. Sorgen bereitet vor allem die Entwicklung in China, wo das Virus Sars-CoV-2 ausgebrochen war. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist ein wichtiger Absatzmarkt für Produkte „Made in Germany“.

Zugleich werden in dem Land Teile für die Produktion in Deutschland hergestellt. Mehrere Branchen rechnen nach Angaben des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) in den kommenden Wochen mit Engpässen bei Lieferungen aus Fernost, unter anderem Elektro, Automobil, Pharma und Papier.  Der Internationale Währungsfonds (IWF) senkte bereits seine Konjunkturprognose für China und die Weltwirtschaft. (mit dpa)