Der Unternehmer Heinz Hermann Thiele ist der größte Einzelaktionär der Lufthansa.
Knorr-Bremse AG

Heinz Hermann Thiele hat in einem Punkt recht: Die Fluglinien in der EU werden ungleich behandelt. Die italienische Alitalia ist seit Jahren notorisch bankrott – und wird immer wieder gerettet, und zwar ohne große Beanstandungen aus Brüssel. Die Air France ist ein nationales Juwel, dessen Erhaltung aus französischer Sicht eher ein Auftrag des kulturellen Erbes ist als ein Wirtschaftsunternehmen. Die Briten sehen die British Airways dagegen als Player im globalen Markt – die Konkurrenten sind Emirates oder Singapore Airlines. Auf diesem Niveau gibt es zwar viel Schein in Form von hochwertigem Marketing. Die Menschen – im konkreten Fall die Piloten bei BA – sind jedoch in erster Linie Kostenfaktoren. Es ist vielsagend, dass Ryanair-Chef Michael O’Leary gegen keine andere Airline klagt, sondern nur gegen die Lufthansa. Sie hat etwas, was die anderen nicht haben.

Die Lufthansa segelte immer zwischen allen Welten: Global erfolgreich, deutsches Prestige und wirtschaftlicher Erfolg. Doch der Erfolg kam nicht der Sicherung der Substanz zugute. Die Milliarden-Profite wurden als Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet, die längst überall auf der Welt sitzen und nur noch zu einem geringen Teil in Deutschland. Mit dem knorrigen Unternehmer Thiele wird die Lufthansa noch viel Freude haben – in einem durchaus doppeldeutigen Sinn. Er wird deutsches Flair in den Konzern zurückbringen und das fordern, was Deutschland groß gemacht hat: harte Arbeit, Verlässlichkeit, Sparsamkeit, Innovationen. Als Privatmann kann er der Lufthansa geben, was die Bundesregierung nicht liefern kann. So gesehen sollten die Steuerzahler ganz froh sein, dass Thiele auch auf ihr Investment ein kritisches Auge wirft.