Vom europäischen Ausland aus betrachtet ist Deutschland ein kurioses Land. Die Zahl der Arbeitslosen sinkt seit Jahren. Während anderswo vor allem junge Leute keine Jobs finden, klagen die Unternehmen hierzulande, dass es ihnen an Lehrlingen fehle. Die Konjunktur in Deutschland ist robust, die Firmen schaffen weiter Arbeitsplätze. Und doch wird es wieder mehr Erwerbslose geben. Das hängt mit den Flüchtlingen zusammen, die nach und nach auf den Arbeitsmarkt drängen.  Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Jürgen Weise, sagte unlängst, dass die Chancen für die berufliche Integration dieser Menschen gut stünden. „Aber es wird viel Geld kosten und lange dauern.“

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) hat am Donnerstag einige interessante Befunde zum Thema Flüchtlinge und Arbeitsmarkt veröffentlicht. Die Forscher schauten sich an, wie lange es in der Vergangenheit gedauert hat, Geflüchtete in Jobs zu bringen und welche Probleme es dabei gab. Sie konnten auch ermitteln, wie stark das Lohngefälle zwischen arbeitenden Flüchtlingen, anderen Migranten (etwa EU-Bürgern oder Spätaussiedlern) und Einheimischen war. Dafür wertete das DIW Daten von Geflüchteten aus, die zwischen 1990 und 2010 ins Land kamen. All das gibt Hinweise darauf, welche Schwierigkeiten bei der Integration jener Menschen zu bewältigen sind, die im Zuge der jüngsten Flüchtlingswelle ins Land kamen.

Flüchtlinge arbeiten später als Migranten

In der Vergangenheit nahmen Flüchtlinge deutlich später als andere Einwanderer eine Beschäftigung auf. Unter den geflüchteten Männern etwa dauert es gut drei Jahre, bis zumindest jeder Zweite einen Job hatte. Bei allen anderen männlichen Migranten hingegen war diese Quote quasi sofort nach der Einreise erreicht. Weibliche Flüchtlinge taten sich mit der Integration in den Arbeitsmarkt noch schwerer: Nach zehn Jahren hatte in der Vergangenheit nicht einmal jede zweite einen Job. Bei den anderen Migrantinnen lag die Quote nach diesem Zeitraum immerhin schon bei über 60 Prozent.

Flüchtlinge haben beim Job-Einstieg das Problem, dass ihre Arbeitserlaubnis vom Stand ihres Asylverfahrens abhängig ist. Vielen Flüchtlingen fehlt es zumindest am Anfang auch an Deutschkenntnissen. Ihnen fehlte naturgemäß die Zeit, sich in der Heimat auf ein Leben in Deutschland vorzubereiten.

Flüchtlinge sollen schneller arbeiten dürfen

Eine weitere Schwierigkeit ist die Anerkennung beruflicher Qualifikationen. Viele ehemalige Flüchtlinge verdingen sich laut DIW in Jobs, für die sie eigentlich überqualifiziert sind. Sie jobben vor allem in kleinen Firmen, im verarbeitenden Gewerbe und in der Gastronomie. Für 2013 – also noch vor der Einführung des Mindestlohns – errechneten die Forscher für arbeitende Flüchtlinge ein durchschnittliches Brutto-Monatseinkommen von rund 1.630 Euro. Die übrigen Migranten kamen auf rund 2.150 Euro und Einheimische auf rund 2.600 Euro.

Nach Auffassung der Wissenschaftler sollte die Politik die Hürden beseitigen, die einer schnellen Arbeitsaufnahme von Flüchtlingen im Wege stehen. Die Öffnung des Arbeitsmarkts im Rahmen des jüngsten Integrationsgesetzes sei zu begrüßen. Notwendig seien aber auch andere Hilfestellungen wie die Teilnahme an Sprachkursen und die verbesserte Anerkennung von ausländischen Berufsabschlüssen.