Obst- und Gemüsestand auf einem deutschen Wochenmarkt:. 
Foto: Andreas Arnold/dpa

BerlinIn Deutschland wird weniger Fleisch gegessen, das Wohl der Tiere ist den Menschen wichtig – und sie sind bereit, mehr dafür zu bezahlen. Das sind die prägnantesten Ergebnisse des Ernährungsreports 2020, den Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) gemeinsam mit dem Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstituts Forsa, Manfred Güllner, am Freitag vorgestellt hat.

Was folgt daraus für die Landwirtschaftspolitik? Und sind die Verbraucher wirklich bereit, ihr Ernährungs- und Einkaufsverhalten den Umfrageergebnissen anzupassen? Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wie entwickelt sich der Fleischkonsum?

In Deutschland wird immer weniger Fleisch gegessen. 26 Prozent der Befragten essen täglich Fleisch oder Wurst, im Ernährungsreport 2016 waren es noch 34 Prozent. Wie in den vergangenen Jahren gibt es Geschlechtsunterschiede: 32 Prozent der Männer essen täglich Fleisch, das Gleiche gilt für jede fünfte Frau. Allerdings sinkt der Anteil der Männer, die täglich auf ihre Portion Fleisch bestehen: 2019 waren es noch 39 Prozent.

Der Anteil der Vegetarier und Veganer in Deutschland ist im Vergleich zum letzten Ernährungsreport mit sechs beziehungsweise einem Prozent gleich geblieben. Knapp die Hälfte der Befragten hat allerdings schon einmal oder öfter vegetarische oder vegane Alternativen zu tierischen Produkten – etwa Tofu-Würstchen oder Sojamilch – probiert.

Eine weitere Erkenntnis des Reports: Im Osten ist der Fleischkonsum regelmäßiger, 36 Prozent essen dort täglich Fleisch oder Wurst. In Westdeutschland sind es 24 Prozent.

BLZ/Hecher; Quelle: Ernährungsreport 2020

Wie schlägt sich das im Einkaufsverhalten nieder?

Wenn es ums Essen geht, ist Qualität den Menschen in Deutschland wichtig: Laut Umfrage ist sie für 63 Prozent maßgeblich – Frauen legen etwas mehr Wert auf die Güte der Produkte.

Großes Bewusstsein gibt es für das Problem der Lebensmittelverschwendung: 86 Prozent der Befragten halten die Vermeidung von Lebensmittelabfällen für eine geeignete Maßnahme, die weltweite Ernährung sicherzustellen. Das eigene Verhalten steht dazu allerdings im Widerspruch: Von den zwölf Millionen Tonnen Lebensmittel, die jedes Jahr hierzulande weggeworfen werden, stammt laut einer Studie des Thünen-Instituts und der Universität Stuttgart aus dem Jahr 2015 mit 52 Prozent der größte Anteil aus privaten Haushalten.

Der Ernährungsreport 2020

Zwischen Dezember 2019 und Januar 2020 hat Forsa im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft rund 1000 Bundesbürgerinnen und -bürger ab 14 Jahren telefonisch zu ihren Ess- und Einkaufsgewohnheiten befragt. Zusätzlich hat Forsa im April 2020 aus aktuellem Anlass unter 1000 Menschen in Deutschland eine Umfrage durchgeführt, welchen Einfluss die Corona-Krise auf ihr Einkaufs-, Koch- und Essverhalten hat. Der Ernährungsreport fasst die Ergebnisse aus beiden Befragungen zusammen.

Das Interesse an der Herkunft und den Verarbeitungsumständen der Lebensmittel spiegelt sich auch im (theoretischen) Einkaufsverhalten. So ist die Bereitschaft, für Fleisch aus artgerechter Haltung mehr Geld auszugeben, vergleichsweise hoch. 14 Prozent gaben an, für ein Kilogramm Fleisch von Tieren, die besser gehalten werden, als es das Gesetz zurzeit vorschreibt, einen Aufpreis von bis zu zwei Euro zu bezahlen, 45 Prozent wäre solches Fleisch sogar fünf Euro mehr wert.

Die verbale Bereitschaft, mehr für tierwohlgerechtere Produkte zu zahlen, bezeichnete Ministerin Klöckner am Freitag als erfreulich. „Leider sieht es an der Ladentheke oftmals noch anders aus.“

Sicher ist: Wer mehr Geld ausgibt, will wissen, wofür. So wünschen sich 84 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher auf den Lebensmittelverpackungen Angaben zu artgerechter Tierhaltung, fast ebenso viele möchten, dass faire Produktionsbedingungen angegeben werden.

Renate Künast, Sprecherin für Ernährungspolitik der Grünen-Bundestagsfraktion, forderte die Landwirtschaftsministerin auf, „höhere Mindeststandards und eine klare Kennzeichnung aller tierischen Lebensmittel“ umzusetzen.

Tier- und Verbraucherschützer fordern schon länger gesetzliche Vorgaben zur Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln.

BLZ/Hecher; Quelle: Ernährungsreport 2020

Was erwarten die Verbraucher von der Landwirtschaft?

Artgerechte Haltung, faire Löhne und hohe Qualität – das sind die Kriterien, die für die Befragten die größte Rolle spielen. 66 Prozent der Verbraucher verlangen von der Landwirtschaft, dass Nutztiere artgerecht gehalten werden. Das sind etwas weniger als in den vergangenen Jahren: 2018 und 2019 erhoben diese Forderung noch 70 Prozent. 52 Prozent wünschen sich aktuell eine umweltschonende Produktion der Lebensmittel.

Und schon vor den jüngsten Berichten über die Zustände in deutschen Schlachtbetrieben waren den Verbrauchern faire Arbeitsbedingungen wichtig: 64 Prozent gaben an, vor allem eine faire Bezahlung der Beschäftigten in der Landwirtschaft zu erwarten. Frauen ist die Fairness noch etwas wichtiger als den Männern: Fast zwei Drittel wünschen sich gerechte Löhne in der Landwirtschaft (Männer: 57 Prozent).