Noch geht dieser Schweißer seiner Arbeit in Spanien nach – bald schon bei uns?
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BerlinAm Montagnachmittag kam im Kanzleramt eine Spitzenrunde unter der Leitung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zusammenkommen. Die Partner verständigten sich auf eine Vielzahl von Punkten, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Ein Überblick.

Was soll der Fachkräfte-Gipfel im Kanzleramt bringen?

Die Runde – mit Spitzenvertretern von Bund, Ländern, Arbeitgebern und Gewerkschaften – brachte flankierende Maßnahmen zum neuen Einwanderungsgesetz für Fachkräfte auf den Weg, das Anfang März 2020 in Kraft tritt. Mit dem Gesetz werden die Hürden für Arbeitsmigration nach Deutschland gesenkt – für Qualifizierte mit ausreichenden Deutschkenntnissen aus Ländern außerhalb Europas. Sie durchlaufen die sogenannte Vorrangprüfung, bei der geklärt wird, ob nicht auch Bewerber aus Deutschland oder dem EU-Ausland infrage kommen.

Was wurde vereinbart?

Die Bundesregierung will Deutschland für ausländische Fachkräfte attraktiver machen und plant beschleunigte Visa-Verfahren sowie eine Anwerbe-Offensive. So hieß es in einem Entwurf der Absichtserklärung für den Fachkräftegipfel. „Zusätzliches Personal in den Visastellen und der Aufbau einer zentralen Arbeitseinheit zur Unterstützung der Visumbearbeitung aus dem Inland werden den Prozess der Visumerteilung an den Auslandsvertretungen beschleunigen, um derzeit bestehende Wartezeiten zu verringern“, so lautet die Absicht. Ziel sei es, zügig die Voraussetzung für digitale Antragstellung und papierlose Übermittlung der Unterlagen zu schaffen. Die Bundesregierung will zudem Deutsch-Kurse an den Goethe-Instituten ausbauen.

Wenig anziehend für Akademiker

Rangliste: Deutschland ist für zuwanderungswillige Akademiker nur mäßig attraktiv und landet angesichts der Rahmenbedingungen in einer Rangliste der 36 OECD-Industrieländer nur auf Rang zwölf. Das ergibt sich aus einer am Montag in Gütersloh veröffentlichten gemeinsamen Studie der OECD und der Bertelsmann-Stiftung.

Abschreckung: Das größte Defizit liege in den eher schlechten beruflichen Chancen hierzulande, besonders, wenn die Zugewanderten einen akademischen Abschluss aus Nicht-EU-Ländern mitbringen. Die ausländischen Akademiker seien oft nicht in Jobs tätig, die ihrem Qualifikationsniveau entsprechen.

Attraktivität: Bei Zuwanderern, die ein Unternehmen gründen wollen, landet Deutschland dagegen auf einem guten sechsten Platz. Schaut man auf die Löhne, sei Deutschland mit Rang 25 aber wiederum wenig attraktiv für Zuwanderer. Angeführt wird das Ranking von Australien, Schweden, der Schweiz, Neuseeland und Canada.

Und was tut die Wirtschaft?

Die Wirtschaft will geeignete Fachkräfte bei den Kosten für die sprachliche Qualifizierung im Herkunftsland unterstützen. Die Bundesagentur für Arbeit soll mit Hilfe von „Vermittlungsabsprachen mit ausgewählten Herkunftsländern“ geeignete Bewerber anwerben. Mit dem Aufbau solcher Länderpartnerschaften solle zügig begonnen werden. Dies bekräftigte auch Detlef Scheele, Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit. Die Bundesregierung will „Rekrutierungsreisen“ für kleine und mittelständische Unternehmen fördern. Außerdem soll das Informationsportal „Make it in Germany“ ausgebaut und zur zentralen Anlaufstelle für interessierte Fachkräfte und Firmen werden.

Wie groß ist eigentlich der Fachkräftemangel in Deutschland?

Das lässt sich nicht genau beziffern. Freie Stellen in Deutschland waren zuletzt im Schnitt 118 Tage unbesetzt – sechs Tage länger als noch im Zeitraum Mai 2017 bis April 2018. Auf 100 gemeldete Arbeitsstellen kamen zuletzt 232 Arbeitslose. Zum Vergleich: 2009 waren es noch 1083 Arbeitslose. Laut Bundesagentur für Arbeit kann von umfassendem Fachkräftemangel (noch) keine Rede sein, wohl aber von Engpässen. Die Bandbreite der Berufe, auf die das zutrifft, reicht von der Pflege über viele technische und handwerkliche Berufe bis hin zu Lkw-Fahrern und Lokführern. Laut Bundesregierung fehlen in vielen Unternehmen, Branchen und Regionen Fachkräfte: „Unabhängig von konjunkturellen Entwicklungen wird der demografische Wandel den Fachkräftemangel weiter verstärken.“

Kann die Fachkräfte-Lücke nicht mit Einheimischen geschlossen werden?

Zum Teil wäre das möglich, wenn auch mit vergleichsweise hohem Aufwand: Etwa, wenn es gelänge, die Beschäftigungsquoten von Frauen oder Älteren zu erhöhen. Eine weitere Möglichkeit wäre konsequentes Nach-Qualifizieren von Langzeitarbeitslosen. Es gebe im Inland ein Fachkräftepotenzial, „das über Qualifizierung und Weiterbildung endlich gehoben werden muss“, mahnt DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Aktuell gibt es 1.380.000 Arbeitslose, die schon länger als ein Jahr arbeitslos sind. Viele von ihnen bringen allerdings nicht die Qualifikationen mit, die von den Unternehmen benötigt werden.

Wie attraktiv ist Deutschland für qualifizierte Arbeitnehmer aus dem Ausland?

„Deutschland steht international in starkem Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte“, heißt es in der Abschlusserklärung des Fachkräftegipfels. Eine am Montag veröffentlichte Studie befand, dass Deutschland unter den OECD-Industrieländern für Akademiker nicht besonders attraktiv ist.