Wechle Auswirkungen de Corona-Krise auf das Gesparte hat, kommt auch auf die Form der Geldanlage an.
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BerlinDie gesetzliche Rente darf nicht gekürzt werden. Das ist seit 2009 ausgeschlossen, auch wenn das Lohnniveau, nach der die Bezüge unter anderem berechnet werden, einmal sinkt. Damals, kurz nach der großen Wirtschaftskrise, hat der Bundestag aufgrund solcher Befürchtungen eine sogenannte Rentengarantieklausel beschlossen. Die gilt auch jetzt, in Folge der Coronakrise.

„Die Klausel schützt die Versicherten zwar vor Verlusten“, sagt Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur des Verbraucherratgebers Finanztip. Eine Erhöhung werde es in den nächsten Jahren bei der gesetzlichen Rente aber wohl eher nicht geben – abgesehen von der Rentenerhöhung im kommenden Juli, die bereits beschlossen ist und die sich auf steigende Löhne in der Vergangenheit bezieht. Im Angesicht der Krise ist das für die darauffolgenden Jahre nicht zu erwarten – eher im Gegenteil. Nach Schätzungen der Bundesregierung werden erst einmal über zwei Millionen Beschäftigte Kurzarbeitergeld bekommen.

Tagesgeld: Zinsen werden nicht steigen

Und wie steht es um private Geldanlageformen? Ein Großteil der Deutschen setzt auf sogenannte sichere Anlagen. Dazu zählen zum Beispiel Tagesgeld und Festgeld. Hier sind die Zinsen schon seit Jahren so niedrig, dass es kaum mehr möglich ist damit die Inflationsrate zu übertreffen. „Eine Zinserhöhung im Sparbereich wird es aller Voraussicht nach auch in den nächsten zwei, drei Jahren nicht geben“, sagt Annabel Oelmann, Vorständin der Verbraucherzentrale Bremen. Die Europäische Zentralbank hat vor wenigen Tagen noch einmal klargestellt, dass die Leitzinsen bis auf Weiteres auf niedrigem Niveau bleiben werden, die Strafzinsen für Banken könnten sogar noch steigen. Sicher bleibt das Gesparte auf Tages- und Festgeldkonten dennoch. Nach der deutschen Einlagensicherung sind alle Bankeinlagen bis zu 100 000 Euro pro Person geschützt, selbst im schlimmsten Falle einer Bankenkrise.

Beitragsgarantien bei der betrieblichen Altersvorsorge

Auch eine betriebliche Altersvorsorge, eine Lebensversicherung oder ein klassischer Riester-Vertrag bieten in der Regel eine Beitrags- oder Zinsgarantie. Mindestens sollten Versicherte also das rausbekommen, was sie eingezahlt haben. „Wenn es sich um eine betriebliche Altersvorsorge handelt, die der Chef ganz oder in wesentlichen Teilen alleine zahlt, besteht theoretisch das Risiko, dass er das irgendwann nicht mehr leisten kann“, sagt Tenhagen. Jedoch gebe es für ein Nichteinhalten von Garantien in Deutschland strenge Vorschriften. „Über ein solches Szenario würde ich mir jetzt noch keine Sorgen machen“, so der Finanz-Experte. Gedanken machen sollten Versicherte sich seiner Ansicht nach, die eine fondsgestützte Lebensversicherung abgeschlossen haben, die in diesem Jahr ausgezahlt werden soll. „In einem solchen Fall lohnt es sicherlich, sich einmal zu informieren, ob es möglich wäre, den Vertrag zu verlängern, in der Hoffnung, dass die Kurse wieder steigen.“ Denn all das Geld, was an der Börse investiert wurde, ist derzeit vom Kursrutsch der vergangenen Wochen betroffen. Ziehen Anleger ihr Geld zu diesem Zeitpunkt raus, realisieren sie somit die Verluste.

Auch hier sind sich die Experten einig: Wurde an der Börse investiert, heißt es zurzeit, dabei zu bleiben, auch wenn es schmerzt. „Wichtig ist es, in Krisenzeiten wie jetzt nur an das Geld ranzugehen, wenn es absolut sein muss“, sagt Tenhagen. Wartet man ab, besteht die Chance, dass die Kurse wieder steigen. Und das war in der Vergangenheit noch nach jeder noch so großen Krise so. „Wenn man sich die Kursverläufe über die vergangenen zehn, 15 Jahre anguckt, sind viele Anleger mit ihren Depots auch jetzt noch im Plus. Obwohl die großen Indizes um fast 30 Prozent runtergegangen sind“, sagt Oelmann.

Fonds: Experten raten investiert zu bleiben

Dennoch, wer vor fünf Wochen beispielsweise 20 000 Euro im Depot hatte, ist nun in der Regel ein paar Tausend Euro ärmer. Das wieder aufzuholen, braucht Zeit. „Wie andere kann auch ich nicht in die Glaskugel schauen, niemand weiß, wie sich die Börse in Zukunft entwickelt. Wer jetzt Verluste auf dem Depot sieht, wird vor Jahresende aber sicher noch kein Plus sehen“, so der Finanztip-Chef.

Wer diese Zeit nicht hat, weil er oder sie möglicherweise kurz vor der Rente steht und geplant hatte, dieses Jahr den Gewinn zu realisieren, sollte dies höchstens in Raten tun. „Anleger sollten schauen, welche Summe sie dringend im ersten Jahr brauchen und diese herausnehmen“, sagt Tenhagen. „Den Rest empfehle ich, drinnen zu lassen.“

Natürlich schadet es aber nicht, sich den Einzelfall anzugucken. So sollte ein Aktienfonds immer breit gestreut sein und viele unterschiedliche Werte beinhalten, damit bei einer langfristig negativen Entwicklung eines Börsenwerts die anderen Werte den Verlust auffangen können. Ob ein Fonds diese Kriterien erfüllt, wertet zum Beispiel auch die Stiftung Warentest in ihrem „Produktfinder Fonds“ regelmäßig aus und kann eine Orientierung geben.

Grundregeln der Geldanlage

1. Schulden tilgen, bevor Geld in irgendeiner Form investiert wird. Denn Kredite kosten in der Regel mehr als das, was bei einer Anlage an Gewinn herausspringt.
2. Risikoneigung bewusst machen, davon hängt die Form der Geldanlage ab.
3. Langen Anlagezeitraum wählen und breit streuen, dadurch mindert sich das Risiko im Fall einer Krise zu viele Verluste einzufahren.
4. Kosten minimieren von Versicherungsverträgen oder auch Depotgebühren. Je höher die Kosten, desto geringer die Rendite.

Vom Investieren an der Börse raten die Experten indes auch zum jetzigen Zeitpunkt nicht ab. Aber Anleger sollten einmal mehr die Grundregeln der Geldanlage beachten: „Es ist wichtig, einen langen Anlagezeitraum von mehreren Jahren zu wählen, alles andere ist zocken“, sagt Oelmann.

Ebenso wie nur auf Einzelwerte zu setzen. „Um das Risiko zu minimieren, sollte die Geldanlage immer auch aus mehreren Komponenten bestehen“, so Oelmann. Neben Fonds etwa auch Tagesgeld, Festgeld oder zum Beispiel eine weitere Diversifizierung mittels einer betrieblichen Altersvorsorge.