Berlin - Bisher ist es Facebook-Chef Mark Zuckerberg stets gelungen, politische Angriffe auf die von ihm gegründete Plattform abzuschmettern. Bei Anhörungen im US-Kongress zeigte er sich gegen jede Art von Kritik fast immun. Doch nun könnte eine der mächtigsten Technologie-Firmen in eine schwere Krise geraten. Der Auslöser ist der Auftritt der 37-jährigen IT-Spezialistin Frances Haugen in der CBS-Sendung „60 Minutes“. Die aus Iowa stammende Haugen, die unter anderem wie Zuckerberg in Harvard studiert hat, hat sich entschlossen, gegen Facebook als Whistleblowerin aktiv zu werden. Die frühere Facebook-Produktmanagerin, die bei „60 Minutes“ einen ungewöhnlich resoluten und entschlossenen Eindruck hinterließ, sagte: Facebook habe stets die Profit-Interessen über die Interessen des Gemeinwohls gestellt.

Das Netzwerk habe viel zu wenig gegen Hassrede und politische Hetze unternommen und wirke daher spalterisch und zersetzend auf Gesellschaften, wenn es um die Lösung von sozialen und ethnischen Konflikten gehe. Unter anderem hätte Facebook erkennen können, dass zum Ende der Trump-Amtszeit der „Sturm auf das Kapitol“ geplant gewesen sei, zu dem sich Nutzer von Facebook auf der Plattform organisiert hätten. Auch das Wall Street Journal fährt schon seit einigen Tagen schwere Geschütze gegen Facebook auf. So soll die Plattform Instagram einen „toxischen“ Einfluss auf das Selbstwertgefühl von jungen Mädchen haben.

Haugen sagte, sie sei an die Öffentlichkeit gegangen, weil sie zu den Missständen nicht habe schweigen wollen. Facebook „destabilisiere die Gesellschaften“. Die Hauptbedrohung für Facebook kommt jedoch nicht von der moralischen Seite, sondern von der gefürchteten US-Börsenaufsicht SEC, mit der Haugen eng zusammenarbeitet. Die SEC wirf Facebook vor, die Anleger getäuscht zu haben, weil der hohe Wert des Unternehmens nicht auf sauberen, sondern auf dubiosen oder vielleicht sogar illegalen Geschäften beruhe. Beim Anleger-Betrug verstehen die Amerikaner keinen Spaß.