Amazon-Chef Jeff Bezoz.
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Technologiekonzerne wie Apple, Google und Facebook haben im von der Corona-Pandemie geprägten zweiten Geschäftsquartal überraschend gut abgeschnitten. Inmitten des schlimmsten US-Wirtschaftsabschwungs seit der Großen Depression der 1930er-Jahre wies der Internet-Gigant Amazon gar den höchsten Gewinn seiner 26-jährigen Firmengeschichte aus. Auch die anderen Großen der Branche schnitten überraschend gut ab: Der Smartphone-Hersteller Apple übertraf mit seinen Zahlen für das zweite Quartal ebenso die Markterwartungen wie das soziale Netzwerk Facebook und Alphabet, die Muttergesellschaft des Internet-Riesen Google. Apple ließ die Prognosen der Marktbeobachter weit hinter sich.

Der Technologiekonzern meldete dank der im Corona-Lockdown gestiegenen Nachfrage nach Kommunikationsgeräten Wachstum in allen Sparten und allen Regionen. Das Unternehmen steigerte den Umsatz im zweiten Quartal um elf Prozent auf 59,69 Milliarden Dollar und lag damit deutlich über dem Durchschnitt der Analystenschätzungen von 52,25 Milliarden. Der Gewinn je Aktie lag bei 2,58 Dollar, verglichen mit einer Schätzung von 2,04 Dollar.

Alphabet, die Obergesellschaft des Internet-Riesen Google, übertraf mit ihrem Quartalsumsatz ebenfalls die Erwartungen: Das Unternehmen setzte im zweiten Quartal mit 38,3 (38,94) Milliarden Dollar geringfügig weniger um als ein Jahr zuvor, blieb aber klar über dem Durchschnitt der Analystenschätzungen von 37,37 Milliarden. Zwar gewannen die Google-Suchmaschine und andere zumeist kostenlose Tools etwa für Konferenzen in der Corona-Krise viele neue Nutzer. Allerdings hielten die Werbeeinnahmen damit nicht Schritt, weil große Kunden etwa aus der Reisebranche von der Corona-Krise zum Sparen gezwungen wurden.

Facebook steigerte die Erlöse im zweiten Quartal deutlich auf 18,69 Milliarden Dollar von 16,89 Milliarden ein Jahr zuvor – und lag damit ebenfalls deutlich über der mittleren Analystenprognose von 17,4 Milliarden Dollar. Trotz eines Boykotts einiger großer Markenartikler wegen des Umgangs des Konzerns mit Hass-Mitteilungen sprangen die Werbeeinnahmen im Quartal um zehn Prozent auf 18,4 Milliarden in die Höhe.

Besonders von der Krise profitiert hat wegen der vielen Online-Bestellungen der einstige Buchhändler Amazon: Die Schließungen im Einzelhandel haben dem US-Riesen den höchsten Quartalsgewinn in seiner 26-jährigen Geschichte beschert. Bei einem Umsatzsprung von 40 Prozent auf 88,9 Milliarden Dollar im zweiten Quartal verdoppelte der Online-Gigant seinen Gewinn gegenüber dem Vorjahr auf 5,2 Milliarden Dollar, wie er in der Nacht zum Freitag mitteilte. Einzelhändler hatten in zahlreichen Ländern durch die behördlichen Auflagen rund um die Welt ihre Läden schließen müssen oder konnten die Kunden nur beschränkt in die Filialen lassen. Amazon spielte dieser Vorteil im Wettbewerb in die Karten.

Der Online-Riese stellte in den vergangenen Monaten weltweit allein 175.000 Menschen ein, um die explodierende Nachfrage bedienen zu können. Jeff Bezos, Amazon-Gründer und reichster Mensch der Welt, sprach von einem „sehr ungewöhnlichen Quartal“. Das „ungewöhnliche Quartal“ machte Bezos als größten Anteilseigner noch reicher: Amazon-Aktien haben dieses Jahr bereits 60 Prozent an Wert gewonnen, im nachbörslichen Handel in den USA legten sie um weitere fünf Prozent zu. Allein der Umsatz der Amazon-Online-Stores schoss im zweiten Quartal um 48 Prozent auf 45,9 Milliarden Dollar in die Höhe. Amazon profitierte aber auch von einem weiteren Effekt der Corona-Krise. Angestellte arbeiten vom Homeoffice aus, die Cloud-Dienste des US-Riesen legten ebenfalls zu. Auch Google profitierte vom Trend zum Home-Office. (BLZ, mit Reuters)

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