Berlin - Die Preise in Deutschland steigen so schnell wie seit Jahren nicht mehr. Im August lag die Inflationsrate bei 3,9 Prozent. Im Juli waren es 3,8 Prozent. Auch wenn die Berechnungen noch vorläufig sind: Es sind Zahlen, die irritieren. Die Verbraucherpreise in Deutschland stiegen schließlich in den letzten Jahren nur moderat. Ein Grund zur Panik sind die neuen Werte aber auch nicht. Im Gegenteil. 

Inflation: Steigende Preise sind ein Indiz für den Aufschwung 

Die deutsche Wirtschaft steht vor einem kräftigen Aufschwung. Die Bundesbank geht davon aus, dass die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 3,7 Prozent zulegt, im nächsten Jahr könnte das Wachstum gar bei 5,1 Prozent liegen. Die Volkswirtschaft lässt die Pandemie hinter sich. Nach monatelangen Einschränkungen ist das Vertrauen zurückgekehrt. Konsumenten und Unternehmen geben endlich wieder Geld aus. Steigende Preise sind die Folge – und ein Indiz dafür, dass es aufwärts geht. 

Zudem spielen bei der Inflation statistische Einmaleffekte eine Rolle. Da die Teuerungsrate im Vergleich zum Vorjahresmonat gemessen wird, bildet sie nun auch den neuen CO2-Preis und die wieder angehobene Mehrwertsteuer ab. Naturgemäß liegt ihr Wert dadurch höher. Beides spielt im kommenden Jahr keine Rolle mehr. 

Inflation: Warum die EZB ihren Kurs beibehalten sollte 

Angesichts der weltwirtschaftlichen Risiken wäre es geradezu töricht, jetzt einen Kurswechsel von der Europäischen Zentralbank (EZB) zu verlangen. Der Aufschwung im Euroraum darf nicht durch eine Zinswende gefährdet werden. Was natürlich nicht heißt, dass die Währungshüter kopflos agieren sollten. Natürlich müssen sie die Entwicklung der Preise genau beobachten. Aber bitte mit Augenmaß.

Die Kritiker der Geldpolitik können beruhigt sein: Auch die konservative Bundesbank geht davon aus, dass die Inflationsrate schon im nächsten Jahr wieder unter der zwei Prozent-Marke liegt. Das Schreckgespenst der Inflation bleibt ein vorübergehendes.