Berlin - Für die über 21 Millionen Rentner in Deutschland ist es eine gute Nachricht. Ihre Bezüge könnten im kommenden Jahr deutlich steigen. Im Westen gibt es 5,2 Prozent mehr Geld, im Osten sogar 5,9 Prozent. Nach einer Nullrunde im letzten Jahr hat sich die Rentenversicherung berappelt. Die Reserve in der Rentenkasse steigt, trotz Pandemie zeigt sich die Umlage robust. Endgültig wird das Rentenplus zwar erst im Frühjahr festgelegt. Doch schon jetzt zeichnet sich ab, dass Deutschlands Senioren gute Jahre bevorstehen. Auch 2023 dürfte eine Erhöhung in ähnlicher Größenordnung anstehen. Krise der gesetzlichen Rente, war da was? 

Rente: Die große Koalition hat Politik mit der Gießkanne betrieben

Die Zahlen – so erfreulich sie gerade für Menschen mit kleinen Renten sind – dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass das ganze System auf wackeligen Füßen steht. Die große Koalition hat in den letzten Jahren eine Rentenpolitik mit der Gießkanne betrieben. Die CSU bekam die Mütterrente, die SPD ein früheres Renteneintrittsalter und die Grundrente. Den Nachholfaktor, der die Renten stabilisieren sollte, haben rot und schwarz bis 2025 ausgesetzt. All das hilft dem Rentensystem nicht. Es ist nur teuer – und belastet diejenigen, die heute arbeiten und Steuern zahlen.

Was fehlt, ist politische Weitsicht. Schon jetzt ist klar, dass in den nächsten Jahren die Babyboomer in Rente gehen. Dem Arbeitsmarkt fehlen dann Millionen Erwerbstätige, gleichzeitig nimmt die Zahl der Leistungsempfänger zu. Auf Dauer kann das nicht gut gehen. Dabei liegen die Lösungsvorschläge auf dem Tisch: Mehr qualifizierte Zuwanderung, eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und ja: auch eine längere Lebensarbeitszeit darf kein Tabu sein. Ökonomen fordern das schon lange. Eine Rentenerhöhung ist schön für den Moment. Noch besser wäre es, das System zu stabilisieren. Und endlich generationengerecht aufzuziehen.