Das Berliner Startup Ooshi entwickelt und vertreibt Periodenunterwäsche.
Foto: Ooshi Berlin

BerlinMit ihrem Startup Ooshi bringen die Berlinerinnen Kati Ernst und Kristine Zeller derzeit Bewegung in den deutschen Unterwäsche- aber auch Hygieneartikelmarkt. Die Frauen haben eine neuartige Periodenunterwäsche entwickelt – eine nachhaltige Alternative und Ergänzung zu Tampons und Binden.

Das Muttersein hat bei Kati Ernst und Kristine Zeller einiges geändert. Die Freundinnen, die früher beide in Management-Positionen gearbeitet haben, suchten einen Weg, aktive Elternschaft mit einer beruflichen Herausforderung zu kombinieren. Entstanden ist dabei die Geschäftsidee für Ooshi. Ein spannendes Projekt, das die beiden Frauen im August 2018 mit einer Firmengründung angestoßen haben.

Kati Ernst (l.) und Kristine Zeller sind die Gründerinnen von Ooshi. Früher arbeiteten sie in Führungspositionen großer Unternehmen: Kati Ernst beriet Mode- und Luxusunternehmen, Kristine Zeller verantwortete bei Zalando das Unterwäschesegment.
Foto: Nadine Pensold

Rund zwei Monate danach startete schon der zugehörige Onlineshop. Im Angebot: Unterwäsche. Und zwar solche, die auch während der Menstruation getragen werden kann ohne unbedingt auf Tampons oder Binden zurückgreifen zu müssen.

Seither haben die Ooshi-Gründerinnen schon mehr als 25.000 sogenannte Periodenhöschen verkauft. Von so viel Zuspruch in so kurzer Zeit waren beide überrascht. „Wir hatten erwartet, dass die deutsche Frau sich erst an ein neues Produkt gewöhnen muss. Oder erst einmal zurückhalten reagiert. Aber es gibt anscheinend eine große Zahl von Frauen, die es interessant finden“, sagt Gründerin Kati Ernst.

Mit ihrem Produkt treffen sie den Zeitgeist. Frauen setzen sich vermehrt mit ihrer Periode auseinander, Bücher wie „Ebbe und Blut“ von Eva Wünsch und Luisa Stömer oder das „Tage-Buch“ von Heike Kleen informieren über und enttabuisieren den natürlichen körperlichen Vorgang. „Es gibt einen neuen Anspruch von Frauen, ganzheitlich ihren Körper zu verstehen und bewusste Entscheidungen für sich zu treffen, was sie tun. Wir sehen da einen klaren Zusammenhang mit der vierten Welle des Feminismus in Deutschland und Europa“, sagt Kristine Zeller.

Menstruation ist noch immer ein Tabu-Thema

Dennoch ist Menstruation noch immer ein Tabu. „Wir werden dazu erzogen das Thema wegzutun, viele haben auch Berührungsängste, selbst wenn es um die eigene Periode geht“, sagt Kati Ernst. Die beiden Gründerinnen merken das auch an so manchen Reaktionen in den sozialen Medien. Periode, das sei ein Thema für Frauenzeitschriften und gehöre nicht in Talkshows, ist nur eine von vielen solcher Meinungen.

Die Periodenunterwäsche aus Berlin gibt es in unterschiedlichen Größen und Schnitten.
Foto: Nadine Pensold

Auch Ablehnung und Hass spüren die Frauen, die mit ihrer Arbeit eigentlich dabei helfen wollen, dass Thema behutsam in die Öffentlichkeit zu tragen. „Wir haben schnell gemerkt, wie tabubehaftet das Thema noch in Deutschland ist. Wir nehmen das als Tatsache hin und respektieren das. Wir wollen durch unsere Arbeit einladen, über diesen Lebensbereich nachzudenken. Aber wir versuchen auch vorsichtig heranzugehen“, erklärt Kati Ernst. Denn eines wollen sie nicht: missionieren.

„Jede Periode ist einzigartig, genau, wie jeder Körper einzigartig ist“, sagt Kati Ernst. „Wir glauben, dass es für jede Frau die richtige und individuelle beste Lösung gibt. Und Binden und Tampons bilden nicht alle Bedürfnisse ab, die die Frauen dieser Welt haben.“ Die Periodenhöschen sollen das Spektrum nun erweitern. Vielfach werden sie auch in Kombination mit anderen Produkten verwendet, haben die Gründerinnen von ihren Kundinnen erfahren. „50 Prozent verwenden Ooshi in Kombination mit anderen Produkten, viele auch mit der Menstruationstasse“, sagt Kati Ernst.

Periode in Zahlen

In ihrem Leben benutzt eine Frau circa 15.000 Tampons. Weltweit werden pro Jahr rund 45 Milliarden Tampons und Binden verwendet, die anschließend im Müll landen.

Eine Regelblutung dauert durchschnittlich zwischen drei und sieben Tage. In dieser Zeit scheidet die Gebärmutter 50 Milliliter Bluts aus – das ist in etwa so viel Flüssigkeit, wie in eine Kaffeetasse passt.

Im Alter von neun bis 16 Jahren haben Mädchen und junge Frauen ihre erste Periode. Bis zur Menopause hat eine Frau durchschnittlich 450 Zyklen. Das bedeutet, sie blutet  mehr als 3500 Tage bzw. fast zehn Jahre ihres Lebens.

Eine Umfrage ergab, dass eine Frau im Schnitt fünf Unterhosen pro Jahr wegen Blutflecken wegwirft.

Menstruation ist kein reines Frauenthema, auch Trans-Männer bekommen die Periode.

Die Zielgruppe, die sich für Periodenunterwäsche interessiert, ist vielfältig. „Wir haben festgestellt, dass die Mutterschaft oft ein Zeitpunkt ist, an dem man sich noch einmal damit auseinandersetzt, wie man mit der Periode umgeht“, sagt Kristine Zeller. Vor allem bei jüngeren Frauen sei es auch der Umweltschutzgedanke, der sie nach Alternativen zu herkömmlichen Wegwerfprodukten suchen lässt. „Viele junge Frauen gehen da ihren kompletten Tagesablauf durch, um herauszufinden, wo sie entrümpeln und Müll vermeiden können. Da kommt dann auch irgendwann die Periode ins Spiel.“

Diese Auseinandersetzung zeigt auch Wirkung auf dem Markt für Frauenhygieneprodukte. Immer mehr Hersteller bieten Produkte an, die auf Plastik verzichten, Biobaumwolle beinhalten oder eine bessere Bilanz bei der Entsorgung aufweisen. Selbst auf politischer Ebene ist etwas in Bewegung gekommen: Bisher gelten Tampons, Binden und Menstruationstassen steuerlich nämlich nicht als Produkte der Grundversorgung und werden mit einem Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent besteuert.

Petition beschäftigt sich mit Steuersenkung für Binden und Tampons

Aktuell prüft der Petitionsausschuss des Bundestags eine Petition, die sich für die Senkung der Mehrwertsteuer für Periodenprodukte auf einen Steuersatz von sieben Prozent ausspricht. In der Begründung der Unterzeichner heißt es, dass durch die jetzige Regelung Menstruierende aller gesellschaftlichen Schichten und finanzieller Hintergründe systematisch diskriminiert werden, schließlich ist die Periode unausweichlich.

Die Periodenunterwäsche an sich ist übrigens keine neue Erfindung. In den USA und Australien gibt es sie seit mehreren Jahren, mittlerweile ist der Trend auch in Großbritannien angekommen. „Die meisten Produkte kann man aber nur kalt Waschen. In manchen Produkten haben wir auch Nanopartikel gefunden. Das wollten wir nicht“, erzählt Kristine Zeller. Für die Periodenunterwäsche aus Berlin wollten die beiden Frauen neue Maßstäbe setzen, angenehmes Material mit Tragekomfort und gesundheitlich unbedenklichen Stoffen vereinen. „Und da sind wir auf die Merinowolle gekommen“, sagt Kristine Zeller.

Merinowolle und Wirkstoffe auf Silberbasis

Die verschiedenen Slips und Höschen von Ooshi haben ein integriertes Membransystem, das sich aus verschiedenen zertifizierten Stoffen zusammenstellt. Darunter auch Merinowolle und andere saugstarke Fasern. Zudem ist ein bakterienhemmender Wirkstoff auf Silber- und Zinkbasis enthalten, der circa zwei Jahre wirksam sei. Ein Höschen kann dabei in etwa die Flüssigkeit von 15 Millilitern aufnehmen – das entspricht bis zu drei Tampons. Die Periodenunterwäsche eigne sich daher laut den Herstellerinnen unter anderem auch bei leichter Inkontinenz oder im Wochenbett.

Die Gründerinnen bieten ihr Produkt in den Größen 32 bis 54 an. Auch, weil positives Körpergefühl zur Philosophie des Unternehmens gehöre. Das sieht man auch beim Blick auf das Instagram-Profil von Ooshi, wo die Slips von Frauen unterschiedlichsten Alters, Größe, Gewichts und Hautfarbe präsentiert werden. „Wir versuchen möglichst breit die Menschen abzubilden und nicht nur Stereotypen zu bedienen.“