Die negativen Folgen der Corona-Pandemie auf den Berliner Arbeitsmarkt werden offenbar Schritt für Schritt überwunden. Die Zahl der Menschen, die auf Jobsuche sind, ist auch im vergangenen Monat September zurückgegangen. In absoluten Zahlen: 190.435 Frauen und Männer waren arbeitslos gemeldet, 5724 weniger als im August und 18.847 weniger als ein Jahr zuvor, wie die Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag mitteilte.

Die Arbeitslosenquote lag mit 9,4 Prozent um 1,1 Prozentpunkte niedriger als vor einem Jahr. Unternehmen suchten weiter neue Mitarbeiter, hieß es. „Freie Stellen finden sich quer durch alle Branchen, vor allem im Einzelhandel, in den freiberuflichen Dienstleistungen sowie im Handwerk und in der Industrie.“ Wie berichtet, ist besonders  die Gastronomie-Branche auf der Suche nach Mitarbeitern. Viele hatten während der Pandemie andere Jobs gefunden und wollen nun nicht mehr zurück.

Auch der Indikator Kurzarbeit entwickelte sich positiv. Immer weniger Menschen in Berlin sind in Kurzarbeit. Nach den jüngsten verfügbaren Zahlen waren es im Juni noch gut 76.000, rund 30.000 weniger als im Vormonat. Knapp jeder 20. sozialversicherungspflichtig Beschäftigte erhält demnach noch Kurzarbeitergeld. Das Mittel ist in der Pandemie von Arbeitgebern eingesetzt worden, um niemand entlassen zu müssen. Bei diesem Instrument werden die Arbeitszeit und entsprechend das Gehalt reduziert, die Arbeitsagenturen übernehmen teilweise die Differenz.

Die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt setzte sich im September fort, sagte die Leiterin der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg, Ramona Schröder. Während in Brandenburg das Vor-Corona-Niveau wieder erreicht ist, hinkt Berlin noch etwas hinterher. Im Bundesländervergleich war im August nur in Bremen die Arbeitslosigkeit höher gewesen.

Nicht in die Arbeitslosenzahl gehen Erwerbslose ein, die beispielsweise in Weiterqualifizierungen stecken oder die kurzfristig arbeitsunfähig sind. Rechnet man sie hinzu, sind 243.416 Berlinerinnen und Berliner ohne Arbeit. Diese sogenannte Unterbeschäftigung liegt um knapp 15.000 niedriger als vor einem Jahr.

Vertreter der Berliner Wirtschaft zeigen sich zufrieden mit der Entwicklung, warnen aber zugleich. „Ein stabiler Arbeitsmarkt ist kein Selbstläufer“, sagte der IHK-Vizepräsident Sebastian Stietzel. Berufsbilder und damit die Anforderungen an die Kompetenzen der Beschäftigten hätten  sich nicht zuletzt aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung rasant verändert. Vom nächsten Senat erwarte er daher, dass dieser Integration, Qualifizierung und Vermittlung ganz oben auf die To-do-Liste setze. Weiter brauche es für Azubis mit Migrationshintergrund spezielle Deutschkurse in der ausbildungsbezogenen Fachsprache.

Positiver Trend auf dem Arbeitsmarkt auch in Brandenburg

Ein wenig anders äußert sich der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Berlin-brandenburgischen Unternehmensverbände (UVB), Alexander Schirp. Er meint, die Corona-Nachwirkungen blieben für den Arbeitsmarkt wie ein Klotz am Bein. Die Arbeitslosigkeit gehe zurück, aber weiterhin zu zaghaft – obwohl der Monat September üblicherweise Rückenwind für den Arbeitsmarkt bedeute. „Die Unternehmen fahren erst die Kurzarbeit zurück, bevor sie in größerem Stil neues Personal einstellen. Dadurch entstehen noch zu wenig neue Arbeitsplätze, um die Verluste im Zuge der Pandemie auszugleichen.“ Zudem bremsen die Lieferschwierigkeiten bei Rohstoffen und Vorprodukten vielerorts die Produktion.

In Brandenburg setzt sich der positive Trend auf dem Arbeitsmarkt ebenfalls fort. Im September waren in dem Bundesland 73.094 Menschen arbeitslos gemeldet, wie die zuständige Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag mitteilte. Das waren 2343 Menschen weniger als im August und 9951 weniger als im September des Vorjahres. Die Arbeitslosenquote lag bei 5,5 Prozent und damit 0,1 Prozentpunkte unter der Augustquote und 0,7 Prozentpunkte unter dem Vorjahresmonat. Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) sieht den Arbeitsmarkt nach der Belastung der Corona-Krise wieder auf Erholungskurs. Die Kurzarbeit sei weiter zurückgegangen, sie sank auf 3,7 Prozent. „Auch das ist Zeichen für das Wiederaufleben der Wirtschaft.“

Bundesweiter Arbeitsmarkt erholt sich

Auch bundesweit entwickeln sich die Zahlen positiv, die Bundesagentur spricht von einer kräftigen Herbstbelebung. Nur noch etwa 200.000 der im September 2.465.000 Arbeitslosen seien auf die Krise zurückzuführen, sagte das Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, Daniel Terzenbach, am Donnerstag in Nürnberg. Die Vergleichszahl hatte schon einmal bei 650.000 gelegen.

Terzenbach machte jedoch darauf aufmerksam, dass die Krise den Arbeitsmarkt verändert hat. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen – vor allem Ältere mit weniger Bildung – sei stark gestiegen. Mit knapp über einer Million liege sie um 40 Prozent über dem Vorkrisen-Niveau. Dagegen sei die Jugendarbeitslosigkeit so niedrig wie nie seit der Wiedervereinigung.