Das Europa-Parlament hat nun doch die umstrittenen neuen Regeln für die Dienstzeiten von Piloten mit einer klaren Mehrheit beschlossen. Die Bestimmungen werden 2016 in Kraft treten. In den vergangenen Wochen gab es heftigen Streit um die Vorschriften. Kernpunkt: Für Nachtflüge gelten künftig Dienstzeiten von maximal elf Stunden. Bislang sind sogar 45 Minuten mehr möglich. Pilotenvereinigungen und Vertreter der Grünen im EU-Parlament argumentierten aber, dass die Verkürzung nicht ausreiche. Zehn Stunden seien höchstens vertretbar. „Die heutige Entscheidung richtet sich gegen die Sicherheit im Flugverkehr“, sagte der Grünen-Abgeordnete Michael Cramer der Berliner Zeitung.

Gefahr der Übermüdung

Übermüdung im Dienst ist unter Flugzeugführern keine Seltenheit. So ist laut einer Befragung der Vereinigung Cockpit unter den Piloten deutscher Airlines ein Drittel schon einmal ungewollt eingeschlafen.

Derzeit gelten in der EU Arbeitszeitregeln für Piloten, die enorm lückenhaft sind und durch nationale Bestimmungen ergänzt wurden. Die EU-Kommission hebt hervor, dass nun Vorschriften vereinheitlicht und Verbesserungen erreicht würden. So seien binnen zwölf Monaten nur noch 1000 statt bisher 1300 Flugstunden zulässig. Piloten-Lobbys kritisieren aber, die neuen Regeln ließen zu, dass ein Kapitän bei einer Kombination aus Bereitschaft und Dienstzeit sich 22 Stunden wach halten muss, um dann eine Maschine zu landen. Für die Kommission ist dies „unrealistisch“, zumal während der Bereitschaft die Möglichkeit zum Schlafen bestehe.

In puncto Nachtflüge verweist die ECA auf wissenschaftliche Studien, aus denen hervorgehe, dass nach zehn Stunden die Konzentrationsfähigkeit massiv sinke. Die Kommission argumentiert, dass dieses Limit nur für sehr spezifische Umstände gelte. Für US-Piloten sind indes maximal nur neun Stunden erlaubt. Cramer wirft der Kommission vor, sich dem Druck von Airlines gebeugt zu haben. Viele Transatlantikflüge dauern etwas mehr als zehn Stunden. Wäre dies die maximale Dienstzeit, müssten viele Fluggesellschaften auf diesen Strecken einen dritten Piloten mitnehmen. Noch vorige Woche gab es im Verkehrsausschuss des Parlaments eine Mehrheit gegen das Regelwerk. In den vergangenen Tagen aber hatte Verkehrskommissar Siim Kallas unter den Parlamentariern noch einmal massiv Werbung für sein Papier gemacht. Kallas soll dabei Zugeständnisse versprochen haben – unter anderem, dass jede nationale Regierung für ihre Piloten kürzere Dienstzeiten festlegen kann.