Berlin - Es sind Fragen, die nicht nur Wirtschaftspolitiker seit Jahrzehnten umtreiben: Kostet der Mindestlohn Jobs? Wie wirkt sich Zuwanderung auf den Arbeitsmarkt aus? Und welchen Zusammenhang gibt es zwischen Bildungsausgaben und späterem Einkommen? Es sind Fragen, die auch die Ökonomen David Card (65), Joshua Angrist (61) und Guido Imbens (58)  beschäftigen.

Wirtschafts-Nobelpreis: Beiträge zur Arbeitsmarktökonomie ausgezeichnet

Alle drei Forscher wurden am Montag zum Abschluss der Nobelpreis-Bekanntgaben für ihre Arbeit in den Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet. Das gab die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Mittag in Stockholm bekannt. Der mit zehn Millionen Kronen (rund eine Million Euro) dotierte Preis geht zur Hälfte an den aus Kanada stammenden Card für seine Beiträge zur Arbeitsmarktökonomie. Die andere Hälfte teilen sich der aus dem US-Staat Ohio stammende Angrist und der in Eindhoven geborene niederländisch-amerikanische Wissenschaftler Imbens für ihre methodischen Beiträge zur Analyse von Kausalbeziehungen, also der Frage nach Ursache und Wirkung.

David Card zeigte unter anderem, dass eine Erhöhung des Mindestlohns nicht unbedingt zu weniger Arbeitsplätzen führt – eine Aussage, die vor allem im Widerspruch zur neoklassischen Wirtschaftstheorie steht. Joshua Angrist und Guido Imbens haben eine Methode entwickelt, um aus dem Alltag – auch ohne kontrollierte Experimente – Sinnzusammenhänge abzuleiten. In der Begründung des Nobelpreiskomitees heißt es, die Ökonomen hätten damit „die empirische Forschung revolutioniert“. Die Forscher, die allesamt an US-Universitäten lehren, hätten mit ihrer Arbeit „neue Einblicke in den Arbeitsmarkt“ gegeben.

Wirtschafts-Nobelpreis: Die Auszeichnung geht meistens an Männer

Der Wirtschafts-Nobelpreis geht im Gegensatz zu den anderen Auszeichnungen nicht direkt auf das Testament des Preisstifters Alfred Nobel zurück. Er wurde 1968 von der Schwedischen Reichsbank in Gedenken an Alfred Nobel ins Leben gerufen und wird seit 1969 verliehen. Besonders häufig werden Wissenschaftler aus den USA ausgezeichnet. Im vergangenen Jahr waren es die US-Ökonomen Paul R. Milgrom und Robert B. Wilson, die sich mit Auktionstheorie beschäftigen. 1999 ging der Wirtschafts-Nobelpreis letztmalig nicht an Forscher aus den Vereinigten Staaten. Und: In der Regel sind es Männer, die ausgezeichnet werden. Insgesamt erhielten bislang 89 Menschen diese Auszeichnung, darunter nur zwei Frauen.

Als bislang einziger Deutscher wurde im Jahr 1994 der Bonner Volkswirt und Mathematiker Reinhard Selten für wegweisende Beiträge in der Spieltheorie ausgezeichnet – allerdings nicht alleine, sondern gemeinsam mit John Nash und John Harsanyi, zwei Wissenschaftlern mit, na klar, US-Wurzeln.