Frankfurt am Main - Die Kanzlerin behauptet es und die Autobauer sowieso: Wir brauchen den Diesel, um die Klimaziele zu erreichen. Umweltforscher haben dieses Argument nun widerlegt. Wir erläutern, warum sich der Abschied vom Selbstzünder für die Autobauer sogar lohnt.

Was spricht aus Umweltgesichtspunkten für den Dieselmotor?

Diesel-Kraftstoff hat eine höhere Energiedichte als Otto-Kraftstoff. Deshalb stößt ein Dieselmotor bis zu 20 Prozent weniger vom Klimakiller CO2 aus als ein vergleichbarer Benziner. Der Nachteil: Ohne eine aufwendige Abgasreinigung liegen aber die Emissionen von giftigen Stickoxiden bei den Selbstzündern um ein Vielfaches über den Werten der Ottomotoren. Nach Berechnungen der Umweltforscher-Organisation ICCT kommt der positive CO2-Effekt allerdings kaum zum Tragen. Denn Dieselfahrzeuge haben insgesamt, also über alle Fahrzeug-Segmente hinweg, in der Regel eine höhere Leistung und ein höheres Gewicht als Benziner.

Was spricht aus Sicht der Autobauer für den Diesel?

Diesel-Autos sind in der Regel deutlich teurer als Benziner. Das hat einerseits mit der aufwendigeren Technik zu tun. In Dieselmotoren entstehen extrem ohne Temperaturen und hoher Druck. Hinzu kommt die aufwendigere Abgasreinigung – wo  Autobauer tricksen und betrügen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist aber auch, dass Dieselfahrzeuge teurer verkauft werden können. Der Autofahrer holt häufig die höheren Preise bei der Anschaffung durch geringere Betriebskosten wieder rein. Da der spezifische Spritverbrauch geringer  und Diesel-Kraftstoff durch Steuervergünstigungen billiger als Benzin ist. Für die Hersteller bedeutet dies, dass sie mit dem Selbstzünder höhere Gewinnspannen erwirtschaften können. 

Was ist die Alternative zum Diesel?

Die ICCT-Experten haben herausgefunden, dass derzeit schon zahlreiche Autos mit Hybridantrieb billiger als Dieselautos sind, obwohl bei Hybriden  neben den Benzinaggregaten noch Elektro-Hilfsmotoren zum Einsatz kommen. Die Autos mit den zwei Herzen haben überdies den Vorteil, dass ihre CO2-Emissionen deutlich unter denen von Autos reinen Verbrennungsmotoren liegt.

Was bedeutet das für die CO2-Ziele?

Das EU-Parlament hat vorgeschlagen, dass Neuwagenflotten im Jahr 2025 im Schnitt noch um die 70 Gramm  CO2  pro Kilometer in die Luft blasen sollen – derzeit sind es noch rund 50 Gramm mehr. Die Umweltexperten haben errechnet, dass Autobauer selbst bei einer drastischen Absenkung des Dieselanteils in acht Jahren der Zielwert erreichen können, „indem  sie effizientere Benzinfahrzeuge sowie Hybrid- und Elektrofahrzeuge anbieten“, so Peter Mock, Geschäftsführer von ICCT in Europa.   

Warum halten die deutschen Autobauer dennoch am Selbstzünder fest?

Im Diesel steckt enorm viel technisches Knowhow. Beim Hybridantrieb müssten die Autobauer erst einmal viel Geld für neue technische Entwicklungen aufbringen und viel Aufwand betreiben, um die Fertigung in großem Stil aufzuziehen - Toyota ist hier bislang weltweit führend. Gleichwohl rechnen die Umweltforscher vor, dass die Hersteller im Jahr 2025 mit mehr alternativ angetriebenen Pkw und nur noch wenigen Dieselautos insgesamt geringere Kosten haben würden – das könnte im Schnitt bis zu 280 Euro pro Fahrzeug ausmachen. Denn die Hybridtechnik ist letztlich billiger als die Dieseltechnik. Dieser Vorteil wird sich mit dem technischen Fortschritt weiter vergrößern.  Der „Nebeneffekt“ wäre eine deutliche Entlastung der Umwelt bei den Stickoxiden.

Wieso beharren Politiker auf dem Diesel?

Es geht um Arbeitsplätze. Viele Jobs in Deutschland sind mit dem Selbstzünder verknüpft. Deshalb befürchten Gewerkschafter bei einem Ausstieg aus der Dieseltechnik den Abbau von Tausenden von Arbeitsplätzen.

Gibt es Gegenbeispiele?

Volvo ist das Gegenbeispiel. Der chinesisch-schwedische Autobauer hat beschlossen, die Dieseltechnik nicht weiter zu entwickeln. Stattdessen sollen schon in zwei Jahren alle Fahrzeuge zumindest mit Hybridantrieb ausgestattet sein. Zudem hat der Vorstand die Entwicklung von mehreren reinen Elektroautos angekündigt.