Herr Lehmkuhl, Sie gehören der Initiative Vermögende für eine Vermögensabgabe an, die höhere Steuern für Reiche fordert. Zeigt Hasso Plattner nicht, dass es auch anders geht?

Grundsätzlich finde ich es gut, wenn Vermögende bereit sind, der Gesellschaft einen Teil ihres Geldes zurückzugeben, das sie ja auch der Mitarbeit anderer verdanken. Wir müssen uns aber fragen, wie solche gigantischen Vermögen wie das von Herrn Plattner überhaupt zustande kommen. In den vergangenen 20 Jahren gab es eine riesen Umverteilung von unten nach oben, die durch eine fortgesetzte Steuersenkungspolitik verursacht wurde. Hinzu kam ein explosionsartiger Anstieg der Managergehälter.

Was schlagen Sie vor?

Wohlhabende müssten wieder entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit besteuert werden, den Rest Ihres Vermögens könnten sie dann Stiftungen zugute kommen lassen.

Kann der Staat besser als der Privatmensch mit Geld umgehen?

Nein, nicht unbedingt, aber der Staat ist in der Verantwortung für das Gemeinwohl. Um seine originären Aufgaben in den Bereichen Bildung, Gesundheit, soziale Dienstleistungen und Infrastruktur leisten zu können, müssen ihm ausreichend Mittel zur Verfügung stehen. Doch das ist immer weniger der Fall.

Private Stiftungen können dem Staat doch zur Seite springen.

Das Problem bei Stiftungen ist, dass sie dem Staat weitere Mittel entziehen, weil Gelder, die dorthin fließen, bis zu 50 Prozent steuerlich befreit werden. Gelder, die also eigentlich dem Staat zukommen sollten, bleiben so in privater Verfügungsgewalt. Wichtige Aufgaben werden nach dem Gutdünken eines Spenders, der sich zuweilen nur profilieren will, bestritten. Zudem sind Stiftungen in ihrem Tun oft intransparent und nicht rechenschaftspflichtig. Das ist nicht demokratisch und einer Bürgergesellschaft nicht angemessen!

Denken Sie dabei auch an die Stiftung von Bill Gates?

Durchaus. Sie tut zweifellos Gutes. Aber sie verfolgt auch Ansätze, die ein ganz einseitiges Verständnis von Gesundheit fördern. Die Gates-Stiftung legt ihr Geld auch sehr fragwürdig an. Zum Beispiel im Ölkonzern Shell – einem Unternehmen, das in Nigeria ganze Landstriche durch die Ölförderung vergiftet, andererseits aber Gesundheitsprojekte für Afrika finanziert. Zudem bestreitet die Gates-Stiftung mittlerweile etwa ein Drittel des gesamten Etats der Weltgesundheitsorganisation WHO – zweckgebunden. Sie bestimmt damit die Agenda der WHO stark mit. Das ist äußerst bedenklich.

Wie hoch sollten Vermögende denn besteuert werden, damit so etwas gar nicht passieren kann?

Der Spitzensteuersatz sollte deutlich über 50 Prozent liegen. So hoch jedenfalls, dass solche hohen Vermögen gar nicht erst zustande kommen. Was manche Menschen verdienen, steht im krassen Gegensatz zu dem, was sie leisten. Viele richten dabei auch noch hohe gesellschaftliche und ökologische Schäden an.

Sie selbst sind auch vermögend. Wie lassen Sie die Gesellschaft daran teilhaben?

Ich zahle wie die meisten Reichen zu wenig Steuern. Das sollte sich ändern. Regelmäßig spende ich an Organisationen wie Medico international und Bewegungsstiftung, die mit ihrer Arbeit für progressiven Wandel eintreten. Die Hälfte meines Vermögens spende und stifte ich bis zu meinem Tod, solange der Staat mich so wenig besteuert. Mein Sohn, so ist es mit ihm besprochen, bekommt seinen Pflichtteil.

Das Gespräch führte Sebastian Wolff.