Robo-Advisors verwalten Geld voll automatisch.
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BerlinSie versprechen, klüger zu sein als die Experten von der Bank: Digitale Anlageberater haben in den vergangenen Jahren regen Zulauf. Die dazugehörigen Unternehmen der Finanzbranche, die Fintechs, verwalten nach Schätzungen schon rund fünf Milliarden Euro Sparvolumen in Deutschland – meist angelegt in Indexfonds (ETFs) und Anleihen wie Rentenpapieren oder Staatspapieren. Die digitalen Anlageberater firmieren unter dem Namen Robo-Advisor. Doch wie haben sie in der Corona-Krise abgeschnitten? Der Einbruch der Märkte im März und April war beträchtlich.

Eine Untersuchung der Finanzmarkt-Analysten von FondsConsult gibt erste Einblicke. Das Münchner Beratungsinstitut veröffentlichte mitten in der Corona-Krise eine Studie über Robo-Advisors. Es weist darin zunächst aber darauf hin, dass die Bezeichnung eher ein Sammelbegriff ist. Die Anbieter verfolgen unterschiedliche Anlagestrategien, die alle unter dem selben Namen firmieren.

Der Hauptunterschied zwischen den Robo-Advisors in der Krise zeige sich darin, so FondsConsult, ob ein Anbieter ein aktives oder ein passives Risikomanagement verfolgte. Die aktive Herangehensweise besteht darin, dass die am Portfolio beteiligten ETFs sowie die dazugehörigen Märkte über spezielle Algorithmen permanent analysiert werden. Kommt es an einem Markt – wie bei Corona in China – zu einem Börseneinbruch, werden diese ETFs aus dem Portfolio herausgenommen und durch Cash ersetzt.

Nur geringe Kursabfälle inmitten der Corona-Krise

Diese Strategie verfolgte zum Beispiel das Münchner Fintech-Start-up Minveo – und erreichte damit sogar auf dem Höhepunkt der Corona-Krise nur geringe Kursabfälle. Nach der Untersuchung von FondsConsult verlor das Minveo-Portfolio, das defensiv ausgelegt war, zwischen dem 1. Januar und dem 31. März 2020 nur 1,97 Prozent. Ein Portfolio, das risikoreicher, also mit einem höheren Aktienanteil ausgestattet war, verlor 3,61 Prozent. Damit hatte Minveo unter den Robo-Advisors die besten Werte in der FondsConsult-Untersuchung zur Performance in den ersten Corona-Wochen.

„Wir waren bei Aktien schon am 27. Februar komplett raus“, sagt der 2. Geschäftsführer von Minveo, Johannes Schubert. Genau zwei Monate später sei die Aktienquote in den Depots wieder deutlich hochgegangen. „Dadurch, dass das System tagesaktuell funktioniert, kann man auf Veränderungen sehr schnell reagieren – sowohl in die eine wie in die andere Richtung.“ Inzwischen liegt Minveo mit seinen Produkten sogar wieder leicht im Plus.

Der Branchenführer Scalable Capital, der allein zwei Milliarden Euro verwaltet, erklärt, er biete „passive Geldanlage mit aktivem Risikomanagement“, wie es auf der Website heißt. Anpassungen des Portfolios würden nur durchgeführt, wenn es eine Prognose gibt, dass das Verlustrisiko über- oder unterschritten wird, so Erik Podzuweit, Geschäftsführer von Scalable Capital.

In der Bewertung von FondsConsult schnitten die Anlagen von Scalable Capital teilweise gut, im höheren Risikobereich jedoch eher mittelmäßig ab. Die Erholung der Portfolios lässt im Juni noch auf sich warten, doch Scalable zeigt sich optimistisch. „Kurzfristige Rückschläge wird es immer wieder geben“, erklärt Podzuweit. In solchen Situationen lohne es sich, einen kühlen Kopf zu bewahren und seiner Anlagestrategie treu zu bleiben.

Robo-Advisor passt Portfolio an

Das passive Risikomanagement setzt aufs sogenannte Rebalancing. Das Berliner Fintech Quirion benutzt diese Methode. Dabei wird die individuelle Strategie des Kunden als Maßgabe für das Risikomanagement genommen. Hat der Kunde oder die Kundin ein Portfolio, das zur Hälfte aus Aktien und aus Anleihen besteht, so sorgt Quirion dafür, dass das Gleichgewicht zwischen den beiden Anlagebereichen immer ausbalanciert ist.

Bei Marktveränderungen passt Quirion das Portfolio an. „Kommt es zum Beispiel bei Aktien zu einer Abweichung von mehr als zehn Prozent nach oben oder unten, werden Aktien ge- oder verkauft, damit die ausgewogene Strategie erhalten bleibt“, erklärt Quirion-Sprecher Dirk Althoff.

Die Rebalancing-Strategie paart sich mit einer langfristigen Perspektive der Anleger, in Börsendeutsch: buy and hold – kaufe und halte. Da die Korrekturen in größeren Abständen als beim aktiven Risikomanagement erfolgen, rutschten die Portfolios – wie die Märkte – vom Höchststand Mitte Februar zunächst ab: die defensiv gemanagten (mit 40 Prozent Aktien) um die elf Prozent, ein Portfolio mit 80 Prozent Aktien um bis zu 21 Prozent. In der FondsConsult-Untersuchung bildete Quirion damit das Schlusslicht.

Inzwischen haben sich die Kurse weltweit erholt. Das zeigt sich auch in den Quirion-Charts. Seit dem 18. März machte ein Portfolio mit 40 Prozent Aktien rund 14 Prozent Plus, eins mit 80 Prozent Aktien etwa 22 Prozent. „Das ist eine deutliche Erholung“, sagt Althoff.

Kosten von digitalen Anlageberatern

Robo-Advisors sind Anlageberater im Netz. Die Erstellung eines Portfolios läuft meist komplett online, das heißt, es muss kein Kundenberater aufgesucht werden. Auch der Kundenservice wird digital abgewickelt.

Neben der Performance der Anlagen spielen die Kosten der Portfolios eine große Rolle. Sie liegen zwischen 0,2 und 2,9 Prozent jährlich. Dabei handelt es sich um eine Vermögensverwaltungsgebühr auf die gesparte Summe plus die Kosten des Anlageprodukts selbst.

Börsenexperte Stephan Schrödl von FondsConsult spricht, was die Berg- und Talfahrt der Portfolios betrifft, von einer „V-Erholung“. Wie beim Buchstaben V geht die Kurve vom tiefsten Punkt schnell wieder nach oben. Der Inhalt des Portfolios wird in der Krise nicht verändert, sodass ein schneller Aufwärtstrend am Markt mitgenommen wird. Portfolios, die in der Krise Werte austauschen, hätten da manchmal das Nachsehen.

Eine Entscheidung, welche Strategie besser sei, wolle er damit nicht treffen. „Es sind zwei diametral unterschiedliche Ansätze“, sagt er. Der Kunde müsse sich nur über die Methodiken klar sein und sich anschließend bewusst entscheiden.

Auf die Frage, ob Robo-Advisors einen Vorteil gegenüber einem persönlichen Kundenberater oder dem klassischen Anlagemanager in einer Fondsgesellschaft bieten, antwortet Schrödl: „Das Gute ist, dass es beim Robo-Advisor ein festes Regelwerk gibt.“ Egal, wofür sich der Anleger entscheide – wenn er sich auf einen digitalen Anlageberater einlasse, komme er nicht in die Versuchung, in der Krise seine Anlagen zu verkaufen.