Digitale Konkurrenz: „Nicht von gestern“ – Bundesbank empfiehlt Bargeld

Berlin - Einen „Krieg gegen Bargeld“ rief die Kreditkartengesellschaft Mastercard schon vor vielen Jahren aus. Visa drückt sich heutzutage freundlicher aus und propagiert eine Vision. Es gebe die Chance, die Welt von der Mühsal durch das Bargeld zu befreien, verkündet der US-Konzern. Das soll nicht nur das eigene Geschäft fördern, sondern auch den Menschen das Leben erleichtern. Eine bargeldlose Kultur sei „bequem, sicher und benutzerfreundlich“.

Wirklich? Die Bundesbank widerspricht. „Bargeld ist nicht von gestern“, sagt ihr Präsident Jens Weidmann. Und verweist darauf, dass die Verbraucher gerade in Deutschland Scheine und Münzen nach wie vor schätzten. Bargeld werde bleiben, „solange die Bürger es wünschen“, so Weidmann. „Wir wollen den Bürgern die Zahlungsart ermöglichen, die sie sich wünschen.“

Doch warum halten die Deutschen im digitalen Zeitalter dem Baren die Treue und wickeln nicht alle Geschäfte per Karte oder elektronisch ab? Die Bundesbank hat in einer Studie erstmals den Nutzen von Scheinen und Münzen für eine Gesellschaft untersuchen lassen. In ihrer Erhebung für die Bundesbank kommen Malte Krüger von der Hochschule Aschaffenburg und Franz Seitz von der Hochschule Weiden zu einem ebenso eindeutigen wie überraschenden Ergebnis: Ein elektronisches Zahlungsmittel, das all die Vorteile von Bargeld vereine, gebe es nicht. Und: „Es ist auch schwer vorstellbar, dass ein solches Zahlungsmittel je existieren wird.“ Unter anderem diese Eigenschaften haben Visa, Paypal oder die Lastschrift nicht zu bieten: Bargeld ist anonym einsetzbar, die Zahlung kann nicht rückgängig gemacht werden, zudem ist Bargeld relativ fälschungssicher.

Vier von fünf Geschäften an Ladenkassen mit Bargeld abgewickelt

An Ladenkassen werden laut Bundesbank noch immer vier von fünf Geschäften in bar abgewickelt werden. Selbstverständlich breiten sich elektronische Zahlungsmittel aus. Der Marktanteil von Barem sinkt, nicht aber dessen absolute Summe. 2002 liefen in der Währungsunion Banknoten im Wert von rund 220 Milliarden Euro um. Inzwischen ist das Volumen auf das Fünffache gestiegen. Allerdings wird nach Schätzungen der Bundesbank nur ein Zehntel davon zum alltäglichen Bezahlen genutzt. Der Löwenanteil wird gehortet oder wandert über die Grenzen ins Ausland. Dafür sorgen Touristen, Migranten, die Geld in ihre Heimat senden, aber auch Firmen mit internationalen Aktivitäten.

Bargeld lacht also weiter. Doch dies sorgt nicht bei jedem für Begeisterung. So warnen Kriminalbeamte, dass Bares in der Schattenwirtschaft und auch von Kriminellen bevorzugt werde. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) möchte Bargeld-Geschäfte nur noch bis zu einer Obergrenze bis 5000 Euro zulassen. Die Europäische Zentralbank will von Ende 2018 an keine 500-Euro-Scheine mehr im Umlauf bringen, da diese Noten nach ihrer Ansicht allzu häufig für nicht legale Zwecke eingesetzt werden. Die Forscher Krüger und Seitz melden Zweifel an dieser Argumentation an: Wenn die Euro-Staaten Bargeld abschafften, würden die Schwarzarbeiter auf andere Währungen wie Franken, Dollar oder das britische Pfund ausweichen.