Autofahrern, insbesondere Besitzer von Diesel-Fahrzeugen, dürfte das gar nicht gefallen: Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung Berlin (DIW) hat vorgeschlagen, die Dieselsteuern zu erhöhen. Mindestens auf das Niveau der Steuer auf Benzin. Und das wäre nicht wenig: Die Mineralölsteuer auf Benzin beträgt derzeit je Liter 65,45 Cent, die für Diesel 47,04 Cent. Jeder Liter Diesel würde also fast 20 Cent mehr kosten, sollten sich die Vorstellungen des DIW durchsetzen.

Nun hat das Institut nicht ohne Grund diesen Vorschlag gemacht. Die Forscher haben die Verbreitung der verschiedenen Antriebsarten auf Deutschlands Straßen untersucht. Ihr Ergebnis ist nicht ganz neu: Demnach dominieren Benzin- und Diesel-Autos weiterhin den Straßenverkehr. „Fahrzeuge mit alternativen Antrieben sind hingegen noch immer kaum verbreitet“, schreiben die Forscher: „Sie machen nur 1,5 Prozent des Fahrzeugbestands in Deutschland aus. Trotz erheblicher steuerlicher Vorteile decken beispielsweise Erd- und Flüssiggas nur 1,5 Prozent des Energiebedarfs im Straßenverkehr.“

Dieselemissionen deutlich gesundheitsschädlicher

Studien-Autor Uwe Kunert glaubt nicht daran, dass sich daran etwas ändert, wenn sich nicht Rahmenbedingungen ändern. Denn Diesel und Benzin dominieren den Markt, weil erstens die Energiedichte der Kraftstoffe höher sei, das „Tankstellennetz für alternative Antriebe zu löchrig“ sei und die Angebotspalette der Autobauer zu unattraktiv. Deshalb sollte die Dieselsteuer erhöht werden, um fehlleitende Anreize abzuschaffen, so das Kalkül der Forscher. „Zudem führen diese Kostenstrukturen dazu, dass die Verbreitung von Dieselfahrzeugen weiter steigt – und dies, obwohl die Dieselemissionen deutlich gesundheitsschädlicher sind als die auf andere Kraftstoffe zurückgehenden Emissionen“, heißt es in der Studie.

Während immer weniger Benziner (2013: etwa 30 Millionen) auf den Straßen unterwegs seien, habe sich sowohl die Zahl der Diesel-Pkw (2013: rund 13 Millionen) als auch deren Fahrleistung und Kraftstoffbedarf seit dem Jahr 2000 mehr als verdoppelt, betonen die Forscher.

Da auch vom niedrigen Öl- und Benzinpreis derzeit keine Anreize ausgehen, auf alternative Antriebe umzusteigen, fordern die Forscher die Politik zum Handeln auf. Sie sollte eben darüber nachdenken, die Dieselsteuern zu erhöhen, „am besten koordiniert auf europäischer Ebene“, so Kunert. In Deutschland seien die Steuern auf Benzin und Diesel seit zwölf Jahren unverändert, was „angesichts der Preisentwicklung in diesem Zeitraum bedeutet das, dass die Steuersätze real um fast ein Fünftel gesunken sind“, sagt Kunert.