US-Präsident Donald Trump.
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BerlinDie Enthüllungen der New York Times zu den finanziellen Verhältnissen des US-Präsidenten erlauben einen Blick auf Donald Trump, der weit über seine Steuerzahlungen hinausgeht. Dass man versucht, die eigenen Steuerzahlungen möglichst gering zu halten, ist in Amerika eine Binsenweisheit. Die amerikanischen Steuergesetze erlauben vor allem seit der Finanzkrise Abschreibungen in großem Stil. Gerade Immobilien-Entwickler wie Trump sind begünstigt. So können geschäftliche Einnahmen als persönliches Einkommen besteuert werden. Das heißt aber vor allem, dass geschäftliche Verluste gegen persönliche Einnahmen geltend gemacht werden können.

Solche Modelle erlaubten Trump, für elf von 15 Jahren gar keine Bundeseinkommenssteuer zu zahlen. In den Jahren 2016 und 2017 bezahlte er jeweils bloß 750 Dollar, eine im Wahlkampf mittlerweile berüchtigte Zahl. Im vergangenen Jahrzehnt hat Trump immerhin 434 Millionen Dollar an seiner Beteiligung an der Reality-TV-Show „The Apprentice“ (deutsch: der Lehrling) verdient. Prompt hat er alles in seine von Immobilien geprägten Unternehmen wie Hotels und Golfplätze investiert. Und diese Investitionen eröffneten ihm persönlich großzügige Abschreibungsmöglichkeiten beim Bundesfinanzamt. Diese Regelungen schuf die Obama-Regierung nach der schweren Finanzkrise im Jahr 2008. So weit nicht ungewöhnlich. Schließlich hat der Amazon-Konzern im Jahr 2018 null Einkommensteuer (Corporate Income Tax) bezahlt, und auch die Bank Goldman Sachs oder der Autokonzern General Motors verhielten sich in manchen Jahren nach der Finanzkrise ähnlich.

Viel brisanter sind die Enthüllungen der New York Times über Trumps Schuldensituation. Im Jahr 2022 wird Trump eine Hypothek für den Trump Tower in Manhattan in Höhe von 100 Millionen Dollar begleichen müssen. Insgesamt sollen 421 Millionen in den nächsten Jahren fällig sein, also während einer eventuellen zweiten Trump-Amtszeit. Plötzlich stehen nun Trumps verzweifelte Versuche im letzten Jahr, den G7-Gipfel auf seinem Golfplatz in der Nähe von Miami zu veranstalten, in einem ganz anderen Licht. Denn beim Finanzamt macht Trump diesen „Trump National Doral“-Golfplatz, den er sonst sein „Kronjuwel“ nennt, für Verluste in Höhe von 162 Millionen Dollar verantwortlich. Aber der Versuch mit dem G7-Gipfel misslang, der Widerstand war zu groß.

Andere Gelegenheiten, Geld zu scheffeln, liegen bis jetzt eher unter dem Radar, wie etwa die zahlreichen Besuche in seinen Hotels und Golfplätzen von Geschäftsmännern und Politikern aus der ganzen Welt, aus den Philippinen, Indien oder der Türkei, die den Verlusten der Trump-Unternehmen immerhin peu à peu entgegenwirken. Die Gelder an den Trump-Konzern kommen auch aus Europa. Man beachte die Geschäfte von T-Mobile USA mit seinem Hauptquartier in Bellevue im Bundesstaat Washington: In den Jahren 2011 und 2014 versuchte die Telekom-Tochter, mit Sprint oder anderen Firmen in seiner Mobilfunk-Sparte zu fusionieren. Aber jedes Mal scheiterte T-Mobile an der antimonopolistischen Gesetzgebung, die von der Obama-Regierung genutzt wurde. Eine Fusion wäre für amerikanische Firmen und Jobs ungünstig, begründete die Obama-Regierung.

Im April 2018 kündigte T-Mobile USA erneut an, mit Sprint eine Fusion einzugehen. Der Deal versprach ein Volumen von 26 Milliarden Dollar. Die Tochter der Deutschen Telekom würde in Amerika ihre Geschäfte verdoppeln und endlich zu den US-Riesen Verizon und AT&T aufschließen. Am Tag nach der Ankündigung der Fusionsabsicht stiegen neun leitende Manager von T-Mobile im Trump-Hotel in Washington ab. Die Washington Post errechnete, dass die Firma in den folgenden Wochen mindestens 195.000 Dollar im Hotel ausgegeben hat. Der Chef von T-Mobile in Amerika, John Legere, behauptete damals, dass die Wahl des Hotels lediglich mit der Nähe zum Justizministerium zusammenhing. Aber die T-Mobile-Manager wohnten nicht bloß im Trump-Hotel. Stets waren sie in Telekom-Farben gekleidet und posierten so in verschiedenen Teilen des Hotels in diesem Magenta-Look. Es war Marketing in gegenseitigem Interesse. „Das Trump-Hotel ist ein Hotel, in dem ich mich mittlerweile sehr wohl fühle“, sagte Legere der Hauptstadtpresse.

Am 1. April 2020, viel früher als in der Branche erwartet, war T-Mobile mitten in der Pandemie endlich am langersehnten Ziel. Die Fusion mit Sprint wurde trotz Einspruchs einiger amerikanischer Bundesstaaten vor einem New Yorker Gericht in Washington D.C durchgewunken. Mit 140 Millionen Kunden und einem Börsenwert von 110 Milliarden Dollar könnte T-Mobile endlich mit der Aufholjagd auf die US-Marktführer Verizon und AT&T beginnen. „Diese Fusion ist etwas Besonderes“, sagte Tim Höttges dem Manager Magazin im April, „ein Deal fürs Lehrbuch und eine grandiose Chance für die Telekom.“ Aus dieser Sicht war das läppische Geld für das Trump-Hotel sehr gut investiert.

Nun fürchten aber viele Amerikaner, dass mit einem Schuldner als Präsidenten solche Vorgänge noch mehr Schule machen könnten. Ein Hersteller von Dachteilen in Amerika hat zum Beispiel auf dem Miami-Golfplatz von Trump über Monate 1,5 Millionen Dollar ausgegeben, als er in Washington Lobbyarbeit für leichtere Regulierungen in seiner Branche leistete. Nicht immer ist das Quidproquo so eindeutig wie in diesen Fällen. Doch das Muster ist deutlich. Für wenig Geld, strategisch bei Donald Trump angelegt, kann man sich große Vorteile erhoffen. Steuerabschreibungen sind für den Präsidenten eine Lappalie. Das macht jeder, der es kann. Aber ein Präsident, der „Trinkgelder“ offen akzeptiert, der womöglich auf solche Gelder angewiesen ist? Irgendwann stinkt Geld doch.