Gangster-Rap ist mindestens ebenso sehr ein Geschäft wie ein Musikstil. In seinen Texten geht es etwa um Drogenhandel, Hass auf die Polizei oder Zuhälterei. Aber vor allem und immer geht es um die Reichtümer, von denen Gangster-Rapper vorgeben, sie mit solcherlei Aktivitäten angehäuft zu haben: Goldschmuck, Limousinen, Villen. Viele Künstler sind durch Gangster-Rap auch im echten Leben reich geworden. Insofern erscheint es fast als konsequent, dass Dr. Dre, Pionier des Gangster-Raps, nun durch den Verkauf seiner Anteile an der Firma Beats an den Computerriesen Apple endgültig den Status eines Superreichen erlangt hat. Drei Milliarden US-Dollar zahlt Apple für Beats. Der Anteil, der an Dr. Dre geht, dürfte dessen Vermögen nach Schätzung des Magazins Forbes auf bis zu 800 Millionen US-Dollar wachsen lassen.

Der Kaufpreis ist vor allem deshalb so hoch, weil Apple mit Beats ein Image und Attraktivität in neuen Zielgruppen kauft. Dr. Dre verstand es schon immer, ein Image zu prägen und zu nutzen. Man wusste zum Beispiel nie, ob er all die kleinkriminellen Taten, die in seiner Musik glorifiziert wurden, tatsächlich selbst begangen hat. Aber es war eben nicht unwahrscheinlich.

City of Compton

Als Andre Romell Young wurde er am 18. Februar 1965 in Los Angeles geboren. Seine Eltern hatten sich getrennt, als er noch gar nicht auf der Welt war. Er wuchs im armen Stadtteil Compton von Los Angeles auf, wo Gangs das Leben vieler junger Männer bestimmen. 1988 schockte er mit der Gruppe NWA ganz Amerika, als er ihm den Song „Fuck tha Police“ entgegen schleuderte. NWA erzählte glorifizierend von Kriminalität und Ghetto, die Radiosender und der Fernseh-Musikkanal MTV spielten ihre Lieder nicht. Trotzdem verkaufte sich die Platte „Straight outta Compton“, auf der sich auch jener Song fand, so gut, dass sie zweimal die Platin-Auszeichnung bekam. Der Gangster-Rap war erfunden. Und Dr. Dre und NWA hatten einen Trend und eine Zielgruppe abseits des Mainstreams erkannt und genutzt.

NWA löste sich bald auf, fortan agierte Dr. Dre mehr als Musik-Geschäftsmann denn als Musiker. Er gründete Plattenlabel und förderte Talente, die zwar nicht kinderzimmertauglich sind, aber den Rap bis heute prägen und Millionen einnehmen: Snoop Dog, Eminem oder 50 Cent. Seit 2008 engagierte sich Dr. Dre bei der nun verkauften Firma Beats. Einmal mehr entdeckte er hier einen Trend und schuf ein erfolgreiches Image. Diesmal machte es ihn laut Forbes zum reichsten Rapper der Welt.