Berlin - Es ist eine gute Nachricht, dass sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber ab 1. Januar 2019 den Beitragssatz für die gesetzliche Krankenversicherung wieder hälftig teilen. Diese paritätische Finanzierung entlastet die Versicherten immerhin auf einen Schlag um etwa acht Milliarden Euro.

Die Neuregelung bringt allerdings auch einen Nachteil. Während es dem Arbeitgeber bisher egal war, bei welcher Kasse ein Mitarbeiter versichert ist, hat er künftig ein großes Interesse daran, dass die Beschäftigten Mitglied bei einer preiswerten Kasse ist. Das schafft Konflikte. Nun kommen aus dem Kassenlager Vorschläge, wie das Problem gelöst werden kann.

Einflussnahme der Arbeitgeber soll ausgeschlossen werden

„Wir haben es früher immer wieder erlebt, dass ganze Belegschaften insbesondere von mittelständischen Unternehmen auf einen Schlag die Kasse gewechselt haben“, sagte der Chef der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH), Wolfgang Matz, dieser Zeitung. Dies sei ein Indiz dafür, dass Druck auf die Arbeitnehmer ausgeübt worden sei, sich in einer billigen Kasse zu versichern, berichtete er. Es müsse befürchtet werden, dass es durch die Wiedereinführung der Parität erneut zu einer solchen Entwicklung komme. Das müsse aber verhindert werden. „Wir wollen einen Wettbewerb der Kassen über die Qualität, nicht über den Preis im Lohnbüro“, sagte Matz.

Deshalb müsse ein Modell gefunden werden, das eine Einflussnahme der Arbeitgeber auf den Kassenwettbewerb ausschließe, sagte Matz. „Versicherte sollten weiterhin ihre Krankenkasse frei wählen dürfen“, mahnte der Kassenchef. Sein Vorschlag: Die Arbeitgeber zahlen künftig nicht die Hälfte des Zusatzbeitrags, den die einzelne Kasse eines Mitarbeiters verlangt, sondern die Hälfte des von der Bundesregierung gesetzlich festgelegten durchschnittlichen Zusatzbeitrags. Dieser Wert ist eine reine Rechengröße.

Durch die vorgeschlagene Umstellung würden die Arbeitgeber für alle Mitarbeiter stets einen bundesweit einheitlichen Anteil zahlen. Er läge derzeit bei insgesamt 7,8 Prozent des Einkommens. Für die Arbeitnehmer würde sich gegenüber den bisherigen Plänen der großen Koalition nichts ändern.

Anreiz für Kassenwechsel der Beschäftigten fällt weg

Damit entfiele tatsächlich für den Arbeitgeber jeder Anreiz, seine Mitarbeiter in eine andere Kasse zu drängen. Nach Ansicht von Matz hat das Modell auch einen großen Vorteil für die Unternehmen: Da für alle Mitarbeiter ein einheitlicher Krankenkassenbeitrag überwiesen wird, entfällt die aufwändige Verwaltung der Zusatzbeiträge von 110 Kassen. „Diese sogenannte Arbeitgeberneutralität hätte den Vorteil, dass die Höhe der Zusatzbeiträge der einzelnen Kassen für die Arbeitgeber keine Rolle spielt und die Versicherten trotzdem entlastet würden“, so Matz.

Die KKH, mit 1,7 Millionen Versicherten eine der größten bundesweiten Kassen, wirbt derzeit in der großen Koalition für ihren Vorschlag. Ob die Idee im Laufe der anstehenden parlamentarischen Beratungen aufgegriffen wird, ist aber offen. Widerstand dürfte insbesondere von Kassen kommen, die unterdurchschnittliche Beitragssätze erheben, das sind zum Beispiel einige AOKen und die Techniker Krankenkasse. Sie würden durch das Modell einen Wettbewerbsvorteil verlieren. Die KKH nimmt derzeit einen Satz von insgesamt 16,1 Prozent und liegt damit am oberen Ende des Spektrums.