So viel Zoff hat ein Test der Stiftung Warentest schon lange nicht mehr ausgelöst. Im Frühsommer wurden Elektrofahrräder intensiv unter die Lupe genommen. Neun der 16 Zweiräder mit Hilfsmotor fielen durch. Note: Mangelhaft. Wegen Sicherheitsmängeln.

Fast ein halbes Jahr später melden sich betroffene Unternehmen zu Wort und attackieren die Tester massiv. Von „Panikmache“, von einem „katastrophalen Testaufbau“ und einer „katastrophalen Interpretation der Ergebnisse“ ist die Rede. Die Stiftung bleibt indes bei ihrer Bewertung: „Das Risiko fährt beim E-Bike mit.“

Besonders heftig hat es den Schweizer Hersteller Biketec erwischt. Die Räder mit dem Markennamen Flyer gehören zu den hochwertigen und beliebten Elektrofahrrädern hierzulande. Bei dem 2690 Euro teuren Modell C5R Deluxe brach im Dauertest laut Stiftung Warentest schon nach kurzer Zeit das Ausfallende – das ist das Teil, an dem das Hinterrad am Rahmen befestigt ist.

Dies widerspreche aber allen Erfahrungen mit diesem Rad, sagt Biketec-Geschäftsführer Kurt Schär. In den vergangenen zehn Jahren habe sein Unternehmen noch nie Kenntnis von einem Rahmenbruch am Ausfallende bekommen.

Bei diesem Test werden die Räder in einem Labor in einem Prüfstand Belastungen im Zeitraffer ausgesetzt, die einer Fahrleistung von 20 000 Kilometern entspricht – eine möglichst realitätsnahe Simulation wird angestrebt.

Durch „Nachtests“ könne Biketec die Ergebnisse nun „eindeutig widerlegen“, so Schär. Nach seinen Worten war die Art und Weise wie der Rahmen in die Prüf-Apparatur eingespannt wurde „völlig ungeeignet“. Es wäre deshalb angezeigt gewesen, zwecks Aufklärung vor der Publikation Rücksprache mit dem Hersteller zu nehmen, betont der Biketec-Chef.

Genau in die gleiche Richtung argumentiert der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV). Man müsse davon ausgehen, dass „Fehler bei den Prüfungen gemacht wurden“. ZIV-Geschäftsführer Siegfried Neuberger wirft der Stiftung, die den Test in Kooperation mit dem ADAC durchführte, zudem mangelnde Transparenz vor. Die Untersuchungsverfahren ließen es nicht zu, die Ergebnisse schnell und zuverlässig nachvollziehen zu können.

Gegen den Vorwurf der Intransparenz wehrt sich die Berliner Organisation vehement: „Im Vorfeld der Untersuchung haben Vertreter der Anbieterseite, neutrale Sachverständige und Verbraucherschützer gemeinsam über das Prüfprogramm gesprochen.“ Es habe keinerlei Einsprüche gegeben, auch nicht von der Anbieterseite, „unter anderem vertreten durch Verbandsmitglieder“. Darüber hinaus sei jedem Anbieter im Test das Prüfprogramm vor Beginn der Untersuchung zugeschickt worden, so die Stiftung Warentest .

Das gilt also auch für den zweiten umstrittenen Punkt: Bei vier Rädern gehen von Motoren laut Stiftung elektromagnetische Störungen aus. Unter anderem könnten die E-Bikes den Funkverkehr beeinflussen. Es handelte sich dabei um Aggregate von Bosch. „Die Testergebnisse wurden einseitig und zum Teil unrichtig interpretiert“, sagt Claus Fleischer, Bereichsleiter bei Bosch. Bei den Messungen seien standardisierte Methoden in einem akkreditierten Prüflabor zum Einsatz gekommen, entgegnet die Stiftung. Und: „Die Grenzwertüberschreitungen sind durch Nachprüfungen belegt.“

Wer hat nun recht? Einen Schiedsrichter gibt es nicht. Es gibt in Deutschland und Europa zwar allerlei technische Normen für die verschiedenen Bauteile von Fahrrädern. Doch eine Art TÜV oder Zulassungsstelle für die kompletten Zweiräder, so wie sie in den Handel kommen, existiert nicht. Womöglich müssen Juristen dies nun klären. Biketec spricht von einem Millionenschaden und prüft eine Schadenersatzklage. Die Stiftung Warentest hat bislang allerdings fast alle Gerichtsprozesse gewonnen.