Berlin - Vor zwei Tagen musste auf dem Umwelt-Campus am Schöneberger Gasometer noch ein Besprechungsraum als Garage dienen. Jetzt stehen die knallroten Roller in einer kleinen Werkstatt neben dem Firmenbüro, wo sie für den Großstadteinsatz präpariert werden. Es sind die letzten Stunden vor dem Rollout für Deutschlands erste Elektroroller-Vermietung.

Nachdem das Berliner Start-up Emio-Sharing Ende März die Testphase für sein Angebot begonnen hatte, geht nun in Berlin der reguläre Betrieb los. Zum Wochenende sollen die ersten 20 Stromscooter auf die Straße gebracht werden. Anfang Juli kommen weitere 30 Roller dazu. „Wir starten durch“, sagt Emio-Co-Chef und Mitgründer Valerian Seither.

Vorbild Car2go und Drivenow

Der 29-Jährige kam im vergangenen Sommer mit seinen Freunden Hauke Feldfoss und Alexander Meiritz auf die Geschäftsidee. Nach dem Vorbild des Call-a-Bike-Angebots der Bahn und Kurzzeit-Autovermietungen wie Car2go und Drivenow wollten sie in Berlin Elektroroller minutenweise verleihen. Mit Eigenkapital und dem Preisgeld eines Gründerwettbewerbs haben sie den Firmenaufbau und die Testphase geschafft.

Um das Projekt wirklich zum Laufen zu bekommen, war jedoch mehr Geld nötig. Das bekamen sie nun von zwei Unternehmern aus Berlin und Hamburg und der Investitionsbank Berlin. Insgesamt ist von einem mittleren sechsstelligen Betrag ist die Rede. „Das hat uns natürlich Firmenanteile gekostet, aber wir haben nach wie vor die Mehrheit und das letzte Wort“, sagt Valerian Seither.

Inzwischen hat das junge Unternehmen bei Emco im niedersächsischen Lingen 150 Elektroroller geordert. Spätestens im August soll die Berliner Emio-Flotte vorerst komplett sein. Ob es dabei bleibt, wird sich zeigen. Carsharing-Unternehmen haben 3000 Fahrzeuge in Berlin stationiert. Somit dürfte noch was gehen.

Für Emio hatten sich während der Testphase bereits rund 1000 Nutzer registrieren lassen. Zum Jahresende, so Mitgründer Hauke Feldvoss, sollen es mindestens 6000 sein. Für das nächste Jahr ist die 15.000er Marke angepeilt.

Die Roller von Emio werden innerhalb des S-Bahnrings zur Verfügung stehen. Eine spezielle Smartphone-App zeigt, wo der nächste Scooter wartet. Dort wird per Handy die Box auf dem Roller geöffnet, in der sich zwei Helme sowie der Schlüssel befinden, und schon kann es losgehen. Ein Pkw-Führerschein reicht. Am Ziel stellt der Scooterpilot den Roller ab, legt Helme und Schlüssel wieder in die Box auf dem Scooter. Die Miete wird abgebucht – 19 Cent pro Minute oder 45 Cent pro Kilometer.

Allerdings wird dem Schöneberger Start-up die Stadt nicht lange allein gehören. Denn seit Jahresbeginn wird auch im mecklenburgischen Ludwigslust an der Elektrifizierung des hauptstädtischen Zweiradverkehrs gearbeitet. E-Scootersharing Berlin lautet der etwas sperrige Name, der allerdings nur ein Provisorium ist. Eigentlich war die Firma als Scoogo an den Start gegangen. Doch dann gab es Einspruch vom Münchener Vespa-Verleiher ScooMe, der sich die Silbe Scoo schützen ließ. Also musste das Unternehmen aus dem Norden umetikettieren. Mowoo soll es nun heißen.

Über die Alpen

Obwohl die Firma noch nach geeigneten Räumen in der Stadt sucht, hat Mowoo hier bereits neun Emco-Roller im Einsatz. Im August sollen es 55 sein, mit denen sich das Unternehmen vorerst auf die City-West beschränkt. Außerdem will Mowoo seine Roller nicht nur stationsunabhängig anbieten, sondern auch mit Hotels und Hostels zusammenarbeiten, wo Scooter stationierten werden sollen.

Bislang hat das Vier-Mann-Unternehmen um den 25-jährigen Firmengründer Philipp Dabelstein rund 50.000 Euro Eigenkapital investiert. Doch schon laufen Verhandlungen mit potenziellen Investoren. Denn im nächsten Jahr will Mowoo 200 Roller auf der Straße haben und dann ebenfalls im gesamten Berliner Innenstadtbereich präsent sein. „Wir hoffen, von der Aufbauarbeit durch Emio-Sharing profitieren zu können“, sagt Dabelstein.

Dort denkt man aber schon weiter und versucht, die wetterbedingt endliche Rollersaison zu verlängern. Daher wird Emio im Herbst einen Teil seiner Roller von Berlin über die Alpen nach Italien bringen. „Rom oder Florenz, das ist noch offen“, sagt Valerian Seither. Wenn es angenommen wird, wollen sie schon im nächsten Frühjahr wiederkommen.