BerlinMit Mobilitätsangeboten auf der sogenannten letzten Meile lässt sich offenbar doch Geld verdienen. Nachdem der Berliner E-Scooter-Verleiher Tier bereits im Sommer eigenen Angaben zufolge die Schwelle zur Profitabilität überschritten hatte, meldet nun auch Branchen-Pionier Lime aus San Francisco schwarze Zahlen. Am Donnerstag verkündete Lime-Chef Wayne Ting den ersten Quartalsgewinn in der Geschichte des 2017 gegründeten Unternehmens. Zuvor hatte sich Lime aus verlustreichen Märkten zurückgezogen, den Betrieb seiner Zweiräder optimiert und die Kosten für die Zentrale gesenkt. „Mit diesen Verbesserungen glaube ich, dass wir auf dem Weg sind, im Gesamtjahr 2021 voll profitabel zu sein", so der Lime-Boss.

Nach Deutschland und Berlin kam Lime bereits vor zwei Jahren. Angefangen hatte man mit Fahrrädern und E-Bikes. Nachdem im Sommer 2019 auch hierzulande die Zulassung sogenannter Elektrokleinstfahrzeuge möglich war, wurden die Fahrräder durch  E-Scooter ersetzt. Im letzten August kamen dann wieder E-Bikes hinzu. Es waren die Räder der Uber-Tochter Jump, die in die Lime-Flotte integriert wurden, nach dem Uber im Frühjahr als großer Investor bei Lime eingestiegen war. Im Mai hatte Lime insgesamt 170 Millionen US-Dollar unter anderem von Uber und der Google-Mutter Alphabet bekommen. In der Hoffnung auf die Monopolstellung im Geschäft haben Investoren in der Summe bislang 935 Millionen US-Dollar in den Mobilitätsanbieter gepumpt.

Hierzulande hat das US-Unternehmen in 30 Städten mittlerweile mehr als 40.000 E-Scooter und E-Bikes auf den Straßen und bezeichnet sich selbst als der in Deutschland führende Anbieter von Mikromobilität. 2,5 Millionen aktive Nutzer habe man nach eigenen Angaben bereits, doch Lime wolle seine Präsenz und Marktführerschaft im deutschen Markt zeitnah weiter ausbauen.

Foto: Lime
Mit austauschbarem Akku.

Tatsächlich wurden in dieser Wochen E-Scooter der vierten Generation vorgestellt. Diese müssen nicht mehr zum Laden der Batterien eingesammelt werden, sondern haben austauschbare Akkus. Zum Jahresende sollen die Scooter in Paris erstmals eingesetzt werden. Zudem kündigte Lime eine dritte Fahrzeugvariante für das Verleihgeschäft an, wurde aber nicht konkret.

Auch auf Nachfragen im Unternehmen bleibt man vage. Es sei ein Fahrzeug für Kurzstrecken. Der elektrische Antrieb sei gesetzt. Es gebe mehrere Prototypen, wofür man sich entscheide sei derzeit noch offen, so ein Sprecher. Wahrscheinlich wird Lime E-Mopeds oder elektrifizierte Lastenräder ins Portfolio aufnehmen. Im ersten Quartal des kommenden Jahres sollen die Fahrzeuge zum Einsatz kommen. Berlin werde mit am Anfang sein, heißt es, denn Deutschland sei einer der bedeutendsten und profitabelsten Märkte weltweit.

Damit wird der Berliner Mikromobilitätsmarkt weiter wachsen. Auch das Unternehmen Tier plant für das nächste Jahr einen Ausbau seiner Flotte. Dort sind E-Bikes und E-Lastenräder im Gespräch. Das 2018 gegründete Start-up hatte gerade erst bei Investoren 250 Millionen US-Dollar eingesammelt. Insgesamt wurde Tier inzwischen mit 400 Millionen US-Dollar ausgestattet.