Beim Thema E-Tretroller könnten die Auffassungen kaum unterschiedlicher sein. Die einen sehen die elektrisch betriebenen Roller als zusätzliches Instrument zu einer nachhaltigen Verkehrswende, die anderen befürchten eine erhöhte Unfallgefahr, wenn zwischen den anderen Verkehrsteilnehmern ein weiteres Gefährt mit einer Geschwindigkeit von bis zu 20 Kilometern pro Stunde unterwegs ist. Dennoch: Von Sonnabend an sollen E-Tretroller auf Deutschlands Straßen zugelassen sein. Die Länder haben sich auf einen Kompromiss geeinigt, der Bürgersteig bleibt tabu. Außerdem gelten weitere Vorschriften wie zum Beispiel eine Versicherungspflicht. Für jeden E-Tretroller, auch E-Scooter genannt, muss eine Kfz-Haftpflichtversicherung abgeschlossen werden.

Reicht meine private Haftpflichtversicherung aus?

Nein. Weil E-Scooter gefahren werden können, ohne eigene Kraft aufzuwenden, braucht es dafür eine Haftpflichtversicherung für Kraftfahrzeuge. Und zwar eine eigene - den Tretroller in eine bestehende Kfz-Haftpflicht zu integrieren ist nicht möglich, darauf weist der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) hin.

Für welche Schäden kommt eine Kfz-Haftpflichtversicherung auf?

Die Versicherung zahlt, wenn andere Personen oder fremde Gegenstände durch den Roller Schaden nehmen: wenn ein Fußgänger angefahren und verletzt oder eine Macke in ein Auto gefahren wurde. Die Versicherung zahlt hingegen nicht, wenn bei einem Sturm der Roller demoliert worden ist oder ein Marder das Kabel durchgebissen hat. Dafür müsste zusätzlich eine Teilkaskoversicherung abgeschlossen werden. Während die Haftpflicht gesetzlich vorgeschrieben ist, stellt die Teilkasko aber einen freiwilligen Versicherungsschutz dar.

Ob sich dieser lohnt, komme auf den individuellen Bedarf an, sagt Philipp Opfermann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. "Als Faustregel gilt: Je teurer der E-Scooter, desto sinnvoller ist der Teilkaskoschutz. Denn nur mit diesem besteht beispielsweise auch eine Absicherung bei Diebstahl des Rollers." Für unwahrscheinlichere Schäden wie Marderbisse oder Wildunfälle sei eine Teilkasko eher vernachlässigbar.
Einen Vollkaskoschutz für E-Scooter bietet derzeit kein Versicherer an. Geht also der eigene Roller bei einem selbst verschuldeten Unfall kaputt, wird der Schaden nicht ersetzt. "Die Risiken sind noch nicht kalkulierbar", sagt dazu ein Sprecher der Allianz. Der Versicherer kann nicht abschätzen, wie häufig ein solcher Versicherungsfall eintreten würde und er den Schaden übernehmen müsste. Das Gleiche gilt für Vandalismus. Das Risiko trägt der Besitzer.

Zu welchen Konditionen werden die Versicherungen angeboten?

Immer mehr Versicherer bringen Kfz-Haftpflicht-Policen für E-Scooter heraus, darunter die Allianz, die Bayerische oder die HUK Coburg. Die Kosten liegen zwischen knapp 20 und fast 90 Euro im Jahr. Mit Teilkasko kann es auch das Doppelte sein. Die Preise richten sich aber auch danach, wie alt der Fahrer des E-Scooters ist - Tarife für unter 23-Jährige sind zumeist teurer. Minderjährige müssen außerdem die Einwilligung ihrer Eltern einholen, um eine Versicherung abzuschließen.

Die Versicherung muss immer für ein Jahr abgeschlossen werden. Das Versicherungsjahr beginnt wie bei Mopeds im März - Kunden können aber monatlich einsteigen, der Beitrag reduziert sich entsprechend.

"Bei der Wahl des Versicherers sollte vor allem auf die Versicherungssumme geschaut werden", rät Opfermann. Die sollte nicht zu niedrig liegen. Denn spätestens, wenn bei einem Unfall auch Personen betroffen sind, können Schäden schnell auch in die Millionen gehen. "Hier also ruhig in die Vollen und über die gesetzliche Mindestanforderung hinausgehen - Versicherungssummen von 50 Millionen Euro oder mehr werden angeboten und sind durchaus zu empfehlen", sagt Opfermann.

Ein weiteres Kriterium kann sein, ob man vorhat, den Roller auch in der ausländischen Urlaubsdestination zu nutzen. Falls ja, sollte ein Versicherungsschutz über außereuropäische Grenzen im Versicherungsvertrag enthalten sein.

Muss ich auch eine Haftpflichtversicherung abschließen, wenn ich mir nur einen Roller leihe?

Die Versicherung abschließen muss immer der Besitzer, also im Fall von Sharing-Anbietern sind das die Betreiber. Schäden, die Nutzer verursachen, sind dann darüber versichert. Das gilt auch, wenn zum Beispiel Freunde und Bekannte einen privaten Roller nutzen. Allerdings muss das Alter des Fahrers zu dem im Versicherungsvertrag angegebenen passen. Ansonsten bleibt der Besitzer im Schadensfall womöglich auf den Kosten sitzen.

Kann ich einen bestehenden E-Scooter anmelden und versichern?

Theoretisch ist das unter Umständen möglich, praktisch kann es schwierig werden. Roller, die bereits auf dem Markt sind, erfüllen nicht alle die gesetzlichen Vorgaben, die von der Bundesregierung erst nach und nach festgezurrt worden sind. "Viele haben keine Betriebserlaubnis", sagt Opfermann. Um einen solchen E-Scooter anmelden und versichern zu können, müsste der also erst einmal nachgerüstet werden und dann vom TÜV abgenommen werden. Der Verbraucherschützer rät davon ab, sich jetzt kurz vor der Zulassung schon einen Roller zu kaufen. "Ein vermeintliches Schnäppchen ist dann unter Umständen ein Reinfall."