Die Backen aufblasen wie die Frösche, sich wichtig machen und prahlen, das gehört nicht nur im Tierreich mit dazu, sondern ist auch unter Menschen und insbesondere im politischen Geschäft sehr beliebt. Und notwendig, um die eigenen Interessen zu verteidigen. Man verschafft sich Aufmerksamkeit und macht sich dabei manchmal etwas wichtiger, als man ist. Besonders wirkungsvoll ist in diesem Zusammenhang der Verweis auf Arbeitsplätze, die durch diese oder jene politische Entscheidung gefährdet würden.

Obwohl er noch relativ frisch in diesem Geschäft ist, scheint auch der Verband des E-Zigarettenhandels diesen Kniff erfolgreichen Lobbyings schon verinnerlicht zu haben. Vor kurzem erreichte uns jedenfalls ein Politikbrief des Verbandes, der unter anderem an die Gesundheitsminister der Länder, an die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und an das Deutsche Krebsforschungszentrum verschickt worden war. Sie alle sollten offenbar wissen, wie viele Arbeitsplätze auf der Kippe stehen, sollten sie wegen gesundheitlicher Bedenken den Händlern elektronischer Zigaretten das Leben schwer machen.

Allerdings scheint der Verband die Backen ein bisschen arg dick aufgepustet zu haben. Denn die von ihm genannten Wirtschaftsdaten sind freundlich formuliert schwer nachzuvollziehen. Im vergangenen Jahr hat die Branche demnach 100 Millionen Euro Umsatz gemacht. Süffisant weist der Verband beim Punkt Arbeitsplätze dann daraufhin, dass es „noch 20.000“ seien. Ein freundlicher Hinweis an die Gesundheitsexperten, dass sie es in der Hand haben, ob ein Teil dieser Menschen arbeitslos wird oder nicht.

Doch was sind das eigentlich für Zahlen? Eine einfache Division zeigt, dass der Pro-Kopf-Umsatz in der Branche demnach bei lediglich 417 Euro pro Monat und Beschäftigtem liegen würde. 417 Euro! An dieser Zahl ändert sich auch bei mehrmaligem Nachrechnen nichts. Und spinnt man die Rechnung weiter, wird die Faktenlage nicht besser. Denn was bleibt von 417 Euro Umsatz eigentlich für die Beschäftigten als Lohn übrig? Schließlich müssen aus dem Umsatz ja Herstellungs-, Verwaltungs-, Vertriebs-, Kapitalkosten und Steuern bezahlt werden. Und bestimmt möchten die Unternehmen, dass auch noch eine Rendite übrig bleibt.

Selbst wenn diese Posten minimal sein sollten, wäre davon auszugehen, dass die angeblich 20.000 Beschäftigten der Branche im Durchschnitt allesamt Mini-Jobber mit einem monatlichen Einkommen von weniger als 400 Euro wären. Oder aber, ein großer Teil der 20.000 Beschäftigten verdient sein Geld gar nicht hauptsächlich in der E-Zigarettenbranche und ist damit höchstens geringfügig von Entscheidungen der Gesundheitspolitik abhängig.

Ein Verdacht, der sich bestätigt, fragt man beim Verband des E-Zigarettenhandels nach: „Die genannten Zahlen betreffen mittelbar und unmittelbar Beschäftigte innerhalb der gesamten Wertschöpfungskette“, erklärt Verbandschef Dac Sprengel. „Hierin sind auch teilweise sogenannte Minijobber enthalten, Nebengewerbetreibende und branchenüberschneidend Beschäftigte, die neben der E-Zigarette auch noch zum Beispiel Tabakwaren verkaufen oder produzieren.“ Zudem seien viele Einstellungen im Vorgriff auf künftige, starke Umsatzsteigerungen erfolgt – und außerdem habe man den Jahresumsatz in dem wenige Tage alten Politikbrief um etwa 20 Millionen Euro zu niedrig angegeben.

Bleibt festzuhalten: Wenn man die Backen aufbläst, sollte man aufpassen, dass einem nicht zu schnell die Luft ausgeht.