EADS: Fundamentaler Strategieschwenk

„Wir streben nicht mehr nach einer Balance zwischen Airbus und dem Militärgeschäft“, hat EADS-Boss Tom Enders erklärt, nachdem ihm vor Jahresfrist von der Politik eine Fusion im Wehrgeschäft mit dem britischen Rüstungsriesen BAE Systems verboten worden war. Jetzt zieht er Konsequenzen daraus – und für das Personal könnten sie unerfreuliche Folgen haben.

Der Konzern wird in zwei Hälften geteilt, eine zivile und eine an öffentliche Auftraggeber gebundene militärische Hälfte. Man kann die Neuordnung auch anders sehen: Der Konzern wird aufgeteilt in einen guten, vom französischen Toulouse aus gesteuerten Teil (Passagierflugzeuge, Hubschrauber) und einen schlechten mit deutscher Zentrale in München.

Dort sitzt künftig der Teilkonzern Airbus Defence & Space, das Dach für die bisherigen Sparten Rüstung (Cassidian), Raumfahrt (Astrium) und Militär-Airbus (A400 M). Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) nannte das ein gutes Signal und Vertrauensbeweis in die Leistungsfähigkeit deutscher Standorte. Ob er das in einigen Monaten auch noch so sieht, darf bezweifelt werden.

Denn Enders hat die Wachstumspläne für den militärischen Airbus-Teil begraben. Die neue Struktur sei gewählt worden, um dem veränderten Marktumfeld Rechnung zu tragen. Damit gemeint sind schrumpfende Wehretats vor allem im europäischen Heimatmarkt. Wenn der Euro und EU-Krisenstaaten gerettet werden müssen, ist weniger Geld mehr für Rüstung oder Raumfahrt übrig.

Die jüngste Halbjahresbilanz zeigt den Trend überdeutlich. Auftragseingang Militär-Airbus: minus 49 Prozent, Astrium: minus 13 Prozent, Cassidian: minus 27 Prozent. Diese drei Geschäfte stehen für rund ein Viertel aller EADS-Umsätze, aber nur für 219 Millionen von 1,5 Milliarden Halbjahresgewinn 2013.

Gesamtbetriebsratschef Rüdiger Lüthjen hat bereits einen „sozialverträglichen Umbau“ des Konzerns angemahnt. Er weiß, was droht. Das laufende Sanierungsprogramm für die Wehrtechnik wird demnächst fraglos verschärft. Bislang geplant ist der Abbau von 850 Stellen, um rund 570 Millionen Euro jährliche Kosten zu sparen. Der neue Konzernteil Airbus Verteidigung und Raumfahrt mit seinen insgesamt 45.000 Beschäftigten sei gebildet worden, um Kosten zu sparen und Synergien zu heben, ließ Enders mitteilen. Was das im Detail bedeutet, vor allem für das Personal, will er im vierten Quartal sagen.

Es dürfte vor allem ein Vertrauensbeweis in die Leidensfähigkeit deutscher Standorte werden. Pazifisten mögen jubeln. Den in den Krisensparten beschäftigten Menschen dürfte beim Blick in die Zukunft bange werden. Mittel- bis langfristig ist weiterer Stellenabbau in den Airbus-Wehrsparten programmiert. Der umstrukturierte Konzern Airbus fliegt in eine neue Zukunft. Glänzend wird sie aber aller Voraussicht nach nur für den französischen Konzernteil.