Berlin - Ein Warnstreik bei Easyjet hat am Freitag Fluggästen aus Berlin und Brandenburg den Start in den Urlaub und zu geschäftlichen Zielen verdorben. Unter anderem fielen Flüge nach Nizza, Mallorca, Amsterdam, Malaga, Kopenhagen und London aus. Nach Angaben von Easyjet strich die Fluggesellschaft rund 20 der 130 Flüge am Freitag.

Für die Kunden des Unternehmens dürfte der Sommer nicht nur wegen des Tarifkonflikts unbequem werden: Wegen Personalmangels hat Easyjet einen Teil seines Flugprogramms gestrichen. Betroffen sind bis Ende August täglich zwölf Flüge von und zum BER. Es bleiben dann noch etwa 100 Flüge am Tag. Zuerst hatte die „Märkische Allgemeine“ darüber berichtet.

Für Freitag hatte die Gewerkschaft Verdi rund 450 Kabinen-Beschäftigte aufgerufen, am Berliner Standort zwischen 5.00 Uhr und 10.00 Uhr die Arbeit niederzulegen. Vereinzelte Easyjet-Flüge konnten morgens starten, weil Ersatz-Personal eingesetzt wurde.

Den Kunden hatte Easyjet geraten, sich über den Status ihrer Flüge im Internet zu informieren, bevor sie sich auf den Weg zum Flughafen machen. Die meisten reisten gar nicht erst an.

Verdi will ihren Forderungen in der laufenden Tarifrunde Nachdruck verleihen. Die Gewerkschaft fordert eine um mindestens fünf Prozent höhere Bezahlung sowie eine Einmalzahlung bei einer Laufzeit bis Ende dieses Jahres.

„Wir erwarten von dem Unternehmen ein verhandlungsfähiges Angebot“, sagte Verhandlungsführer Holger Rößler. Seit der letzten Verhandlungsrunde Mitte Mai habe sich nichts getan. „Die exorbitant gestiegenen Preise sowie die große Mehrbelastung an Bord wegen der chaotischen Restart-Phase der ganzen Branche zeigen, dass unsere Forderungen mehr als berechtigt sind.“

Easyjet kritisierte die Warnstreiks. „Wir sind äußerst enttäuscht über diese Aktion in dieser für die Branche kritischen Zeit“, so eine Firmensprecherin. „Wir haben bis zuletzt gehofft, dass die Gewerkschaft die Aktion nicht durchführt und stattdessen mit Easyjet das Gespräch sucht.“

Weil die Passagiere schneller zurückkommen als gedacht, steckt die Luftverkehrsbranche in Schwierigkeiten. Die Unternehmen hatten in der Corona-Pandemie Personal abgebaut, das ihnen jetzt fehlt, sei es an der Passagierkontrolle, in der Flugzeugabfertigung oder in der Kabine. Auch Lufthansa und die Konzerntochter Eurowings haben Hunderte Flüge allein im Juli gestrichen.

Easyjet nannte am Freitag ein schwieriges operatives Umfeld und einen überdurchschnittlich hohen Krankenstand der Besatzung als Grund für die Streichungen. „Wir bedauern sehr die Kurzfristigkeit einiger dieser Flugstreichungen und die damit verbundenen Unannehmlichkeiten für die Kunden, die auf diesen Flügen gebucht sind“, sagte eine Sprecherin. Die Betroffenen könnten umbuchen oder eine Rückerstattung erhalten. Die Sprecherin betonte, Easyjet selbst habe genug Personal, um den regulär geplanten Sommerflugplan durchzuführen, wenn der Krankenstand normal ist.