Wolfgang Grupp führt sein Unternehmen, den Sport- und Freizeitkleidungshersteller Trigema, seit 1969 auf eigenwillige Weise.
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BerlinEin bisschen, sagte Trigema-Chef Wolfgang Grupp am Donnerstag im Interview mit dem Deutschlandfunk, habe es ihn schon gefreut, dass es Kunden gebe, die sich in ihrem Ärger über Adidas stattdessen seinem Unternehmen zugewandt hätten. Der Konzern mit den drei Streifen im Logo war mit seiner (inzwischen zurückgenommenen) Ankündigung, wegen der Ladenschließungen im Zuge der Corona-Krise die Miete für seine Geschäfte fortan auszusetzen, beim Verbraucher in große Ungnade gefallen.

Cary-Grant-Frisur und Maßanzug

Grupps Freude war ein bisschen undiplomatisch. Aber erstens ist der Familienbetrieb Trigema, der im schwäbischen Burladingen Sport- und Freizeitkleidung herstellt, kein wirklicher Konkurrent für den Riesenkonzern aus Herzogenaurach. Und zweitens gehört es zum Image des Unternehmers mit der Cary-Grant-Frisur und dem Einstecktuch im Maßanzug, sich immer ein wenig anders zu verhalten, als man es von ihm erwartet.

Seit 1969 stemmt sich Grupp, der am Sonnabend seinen 78. Geburtstag feiert, mit seinem Betrieb gegen die Regeln der Modebranche. Er ignoriert Trends und Hypes, richtet sich bei der Herstellung seiner Produkte nicht nach der Nachfrage und lässt ausschließlich in Deutschland produzieren.

Es ist noch nicht allzu lange her, da galt dieses Geschäftsverständnis als antiquiert.

Verantwortungsgefühl als Firmenkonzept

Inzwischen ist klar: Wolfgang Grupp hat alles richtig gemacht. Denn er setzte schon früh auf ein Konzept, das später unter dem Stichwort Nachhaltigkeit modern werden sollte. Der zweifache Vater meinte damit schon immer: Verantwortung. Für sein Heimatland, für die Umwelt. Für seine Mitarbeiter, deren Bedeutung für den Erfolg seiner Firma er regelmäßig betont. „Ohne sie wäre ich schließlich nichts.“

Mittlerweile liegt fair produzierte Kleidung im Trend. Dabei beharrt der passionierte Jäger Grupp, (seine Frau Elisabeth soll er bei der Auerhahnjagd kennengelernt haben) darauf, dass es ihm um die „unternehmerische Ehre“ gehe.

Atemmasken statt T-Shirts

Diesem Ehrverständnis entspricht, dass Trigema schon seit zwei Wochen wiederverwendbare Schutzkittel und Atemmasken herstellt, die vor allem an Kliniken und Pflegeheime geliefert werden. Vieler seiner Mitarbeiter hätten sich freiwillig für Sonderschichten am Wochenende gemeldet, um die Nachfrage zu bedienen.

Der Preis für die Trigema-Maske ist mit zwölf Euro pro Stück vergleichsweise hoch. Grupp betont, dass er damit lediglich die Kosten decke, es gehe nicht darum, Gewinn zu machen. „Ich wurde um Hilfe gebeten“, sagte er im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Und natürlich habe ich gesagt: Wir helfen gerne.“

Untermieter dürfen Miete stunden

Die leise Schadenfreude in Richtung Adidas sei Wolfgang Grupp also gegönnt. Dass Trigema die Kosten für die angemieteten Geschäfte weiterhin zahlen werde, verstehe sich von selbst, so der Chef. Die Firmen aber, denen Trigema Ladenräume untervermietet habe, könnten die Mietzahlungen vorübergehend aussetzen.