"Milch macht müde Männer munter“ – mit diesem süffisanten Slogan prägte die westdeutsche Milchwirtschaft schon in den 50er-Jahren den Ruf der Milch als gesundes Lebensmittel. Die Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft (CMA) legte in den 80ern mit „Die Milch macht’s“ nach, später ließ sie C-Promis wie Yvonne Catterfeld mit dem Slogan „Milch ist meine Stärke“ werben.

Auch der Molkerei-Riese Ehrmann mit Sitz im schwäbischen Oberschönegg machte sich bislang die weit verbreitete Auffassung zunutze, dass vor allem Kinder viel Milch trinken sollten, weil das enthaltene Kalzium ihre Knochen stärke. „So wichtig wie das tägliche Glas Milch“ – damit preist der Milchkonzern bislang seinen Früchtequark „Monsterbacke“ an, der neuerdings mit zungenfärbender Wirkung zu haben ist.

Der Bundesgerichtshof muss entscheiden

Aus Sicht der Zentrale gegen unlauteren Wettbewerb in Bad Homburg ist der Slogan irreführend, weil er der Zielgruppe – Kinder und deren Eltern – suggeriere, dass sich ein Glas Milch durch einen Früchtequark ersetzen lasse. Eine Portion „Monsterbacke“ enthalte zwar die gleiche Menge an Kalzium wie ein Glas Milch, darüber hinaus aber auch ein Vielfaches der enthaltenen Menge an Zucker, außerdem Zusatzstoffe und Aromen, so die Wettbewerbszentrale. Sie versteht sich als „Selbstkontrollinstitution der gesamten Wirtschaft“.

Nachdem das Oberlandesgericht Stuttgart der Wettbewerbszentrale recht gegeben hatte, landete der Fall nun in Revision beim Bundesgerichtshof. Bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe lag noch kein Urteil vor.

Gesundheitsfördernde Wirkung von Milch umstritten

Auch die EU-Kommission setzt sich mit ihrem Verbot bestimmter „Health Claims“ gegen irreführende Werbesprüche ein. Die Europäische Lebensmittelagentur EFSA in Parma hatte gut 4000 Anträge auf Zulassung von Werbeaussagen wie „Stärkt das Immunsystem“ oder „für gesunde Knochen und Gelenke“ geprüft und 1600 davon als wissenschaftlich nicht haltbar abgelehnt. Weitere 2000 müssen noch bewertet werden. Die Übergangszeit läuft noch bis Dezember, dann dürfen die Hersteller mit den durchgefallenen Slogans nicht mehr werben. Ferrero etwa könne dann nicht mehr behaupten, dass Kinderschokolade das Wachstum unterstütze, so die Verbraucherzentrale Hamburg.

Davon abgesehen ist die gesundheitsfördernde Wirkung von Milch ohnehin umstritten: Genug Kalzium könnten auch pflanzliche Quellen liefern, zudem sei die meist stark behandelte Milch schon längst kein gesundes Naturprodukt mehr, so Wissenschaftler.